Viele Kranke kennen ihre Rechte nicht – Versicherungsratgeber

Unabhängige Patientenberatung wertete mehr als 14.000 Beschwerden aus. Krankenkassen verweigern Patienten oft Leistungen, die innen zustehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD).

Es ist oftmals ein großer Unterschied zwischen dem, was Patienten zusteht und dem, was Patienten an Leistungen erhalten: Ärzte verweigern Kranken häufig ohne ausreichenden Grund medizinische Leistungen und Krankenkassen drücken sich oft um das Zahlen von Krankengeld. Das geht aus einer seit einiger Zeit vorliegenden Analyse von 75.000 Beratungsgesprächen hervor, die die Unabhängige Patientenberatung Deutschland von April 2012 bis März 2013 geführt hat.

In 4.900 Fällen bestand demnach der Verdacht, dass Krankenkassen, Ärzte oder Kliniken den Versicherten Leistungen verwehrten, die ihnen eigentlich zustanden. Fast 4.800 Beschwerden habe es zum Thema Krankengeld gegeben. In fast 1.000 Fällen sind die Patienten laut UPD im Recht gewesen. Kassen verweigerten demnach ungerechtfertigt und unzulässig die Zahlung oder setzten die Versicherten unter Druck, trotz Krankschreibung des Arztes wieder zu arbeiten. Der Krankenkassen-Spitzenverband versprach unterdessen, die Beschwerden ernst zu nehmen. Man hoffte, möglichst kurzfristig von der Patientenberatung die detaillierten Informationen zu bekommen, um sie analysieren zu können, erklärte seinerzeit ein Sprecher des Verbandes. Die UPD wird vom Krankenkassen-Spitzenverband finanziert.

Der UPD-Geschäftsführer betonte seinerzeit, dass die Daten zwar nicht repräsentativ seien, aber Hinweise auf Schwachpunkte im Gesundheitssystem gäben. Neben den medizinischen Defiziten sah er einen weiteren Mangel. Viele Patienten kennen ihre Rechte nicht oder nehmen sie unzureichend wahr. So sei oft unbekannt, dass Kranke Einsicht in ihre Akten nehmen können und dürfen.

Ein Schwerpunkt der Beratungstätigkeit waren laut UPD Beschwerden über mögliche Behandlungsfehler. 6.800 Klienten wandten sich deshalb an die Berater. Weitere 5.000 klagten über mutmaßlich fehlerhafte Zahnbehandlungen oder wollten Heil- und Kostenpläne überprüfen lassen. Denn bei Zahnersatz müssen die Versicherten oft viel aus eigener Tasche zuzahlen.

Fragen zu Zahnersatz und Krankengeld sind für die Patientenberatungen ein Dauerthema. Menschen, die bei der Unabhängigen Patientenberatung Rat suchen, fragen ebenfalls häufig danach, inwiefern ihnen Haushaltshilfen oder Fahrtkosten erstattet werden. Außerdem sei Patienten oft unklar, ob die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (Igel-Leistungen) von den Krankenkassen übernommen werden. Das sind meistens Vorsorgeuntersuchungen, für die Patienten oft selbst bezahlen müssen, weil deren medizinischer Nutzen umstritten ist. Ein weiterer Dauerbrenner seien Fragen zu Behandlungsfehlern und zu Betreuungsregelungen wie Patientenvollmachten. Und in vielen anderen Fällen haben die Ärzte die Patienten nicht darüber aufgeklärt, was sie ihnen verordnet haben. Es wird aber auch vor einer Überlastung der UPD gewarnt. Die Kapazitäten der UPD sind fast völlig ausgeschöpft.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung forderte bereits mehrfach von den Krankenkassen, ihre Kommunikationsstrategie gegenüber den Versicherten zu überdenken. Auch die Ärzte müssten Konsequenzen ziehen. Der Patient sei kein Bittsteller, sondern Partner. Und es wurde angeregt, die UPD nicht mehr von den Krankenkassen, sondern direkt aus dem Gesundheitsfonds finanzieren zu lassen. Laut dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung wird ein „Paradigmenwechsel“ jedoch noch lange dauern.

Die v. g. Erhebung wurde bereits zweimal aktualisiert und es zeigte sich, dass sich seitens der Krankenversicherungen und Ärzte bzw. Kliniken nicht viel geändert hat, ja, man kann sogar sagen, eigentlich hat sich gar nichts geändert. Diese Tatsache lässt wiederum die grundsätzliche Frage aufkommen, wie weit hier der Gesetzgeber per Gesetz eingreifen muss. Gerade Versicherungen beweisen immer wieder, dass sich ohne „Zwang“ nichts ändern wird.

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Marcel Köhnert aus Worpswede in Niedersachsen.
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