LASSITER 847 – Lady Sheriff

Über die Köpfe der johlenden Zuschauer hinweg sah Lassiter einen strohblonden jungen Mann im schwarzen Anzug sich im Staub winden. Zwei wüst aussehende Kerle hielten ein gleichfalls blondes Mädchen in einem blauen Leinenkleid und mit Bändern im Haar fest. Ein dritter Mann zerriss Kleid und Unterwäsche der Blondine, indem er ihr in den Ausschnitt fasste, mit einem einzigen Ruck.

„So“, sagte der Hombre, der zwei Revolver trug, „jetzt kommst du mit uns in die Scheune da drüben, du Friedenstaube. Gebet eurem Nächsten, heißt es doch bei euch. Du wirst uns allerhand geben. Oder hat jemand hier Einwände?“

„Ja, ich“, sagte Lassiter, lockerte seinen Revolver und ritt durch die sich teilende, verstummende Menge. „Lasst das Mädchen los, ihr Dreckskerle. Jetzt werden wir uns einmal unterhalten. Du da oben, lass deine Finger vom Colt, sonst schieße ich dich gleich vom Dach.“

Der stoppelbärtige Bursche, dem dieser Zuruf galt, gehörte mit zu dem Halunken-Quartett. Er stand breitbeinig und schwarz gekleidet auf dem Gehsteigdach vor dem General Store, wo man die beiden harmlosen jungen Leute angefallen hatte. Ein dritter, älterer Mann tauchte jetzt vom Hof des Stores her auf. Er trug die gleiche Tracht wie der strohblonde Junge. Das Blut lief ihm in seinen langen Patriarchenbart, und er war nicht fähig, irgendwie einzugreifen.

Der Schießer auf dem Dach brüllte Lassiter an. „Schleich dich, du Hurensohn?“ und zog seine Colts.

Als er sie hochschwang, krachte Lassiters Revolver. Der Schießer ballerte in die Luft. Auf der anderen Straßenseite zersprang eine Fensterscheibe. Der Schießer ließ die Colts fallen, brach zusammen und rollte mit schlenkernden Gliedern vom Vordach.

Lassiter zielte bereits auf seine Komplicen, von denen einer eine langschwänzige Bullpeitsche hielt. Die wie von Schwertschlägen zerrissene Kleidung des jungen Mannes und sein schlechter Zustand verrieten, dass er mit der Peitsche geschlagen worden war. Zorn stieg in Lassiter auf.

Lassiter hielt die Halunken in Schach und zwang sie, das Girl loszulassen, das sofort zu seinem Bruder stürzte und sich nur kurz die Zeit nahm, ihr Kleid zusammenzuraffen.

„Herman, was haben sie dir getan?” rief sie.

Beim Krachen der Schüsse waren die Gaffer auseinandergestoben. In sicherer Entfernung schauten sie nun dem Kampf eines einzelnen gegen die Halunkenclique zu, welche die Stadt Quinton beherrschte.

Lassiter saß ab. Sein Blick schweifte umher, ohne dass er auch nur eine Sekunde die drei Halunken aus den Augen verlor. Der grauhaarige Mann war zusammengebrochen und zog sich gerade mühsam am Gehsteigpfosten hoch.

Lassiter ließ die drei Kerle die Waffengurte abschnallen. Der lange Kerl mit der Bullpeitsche musste sie in den Tränktrog werfen und wieder zurücktreten.

Heiß schien die Mittagssonne. Man hörte das Gemurmel der Zuschauer. Vom anderen Ende der Stadt klangen die hellen Hammerschläge des Schmieds herüber.

„Warum seid ihr angegriffen worden?“ fragte Lassiter den jungen Mann und das Mädchen. Als er keine Antwort erhielt, wandte er sich an die Halunken. „Was war los?“

„Wir haben nur den drei Amish eine Lektion erteilt“, antwortete der Sprecher der drei. „Wir mögen diese Sektierer nicht. Niemand im County mag sie. Wir haben nachgeprüft, ob sie es mit ihrer Lehre von der Gewaltlosigkeit und der Nächstenliebe auch ernst genug nehmen.“

Soviel Zynismus stank Lassiter. Er ging vor und verpasste dem Kerl mit den tückischen Augen eine Ohrfeige, dass es nur so schallte. Dann wich er wieder zurück. Der Kerl rieb sich über die Wange.

„Dafür bringe ich dich um!“ keuchte er. „Wenn ich bloß einen Revolver hätte!“

„Leih dir einen“, erwiderte Lassiter und stieß den Sechsschüsser in die Halfter. „Du wirst ihn nicht lange brauchen.“

Der Kerl hatte jedoch gesehen, wie schnell Lassiter seinen Kumpan vom Gehsteigdach geschossen hatte. Deshalb kniff er.

„Nicht jetzt Aber das hast du nicht umsonst getan. Mit dir rechnen wir ab.“ . . . . .

Hier können Sie weiterlesen . . . .  LASSITER 847

( evtl. in diesem Beitrag veröffentlichte Bilder können auch nur Beispielbilder sein – auf den Bildern dieses Beitrags dargestellte Personen stehen in keiner Beziehung zu dem Titel und Inhalt dieses Romans )

Ende des Beitrags 2011-3001-33jK – 1-2011-313-1913
Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Lars Schichtler aus Groß-Umstadt in Hessen.
Sämtliche Bezeichnungen auf dieser Webseite richten sich an alle Geschlechter.

Beitrag teilen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*