Wird die Erde grüner? – Die Frage des Tages

Die Erde hat eine Oberfläche von rund 510 Millionen Quadratkilometern. Ungefähr 361 Millionen Quadratkilometer sind von Meeren und anderen Gewässern bedeckt, das heißt etwa 71 Prozent des Planeten.

An der gesamten Landfläche hat Asien mit etwa 31 Prozent den größten Anteil, gefolgt von Amerika mit 27 und Afrika mit 20 Prozent. Der Anteil von Europa liegt lediglich bei sieben Prozent. Forscher weisen immer wieder auf Probleme wie den Verlust von artenreichen Regenwäldern und die vermehrte Wüstenbildung hin. Trotzdem wird die Erde grüner. Woran liegt das?

Antwort: Eine internationale Forschergruppe von der Boston University hat Anfang 2018 im Fachjournal „Nature Sustainability“ eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass die intensive Agrar- und Forstwirtschaft eine wesentliche Rolle für den Zuwachs an grünem Pflanzenmaterial spielt. Anhand von Satellitendaten aus den Jahren 2000 bis 2017 zeigen die Wissenschaftler, dass der Anteil Chinas und Indiens dabei besonders stark ins Gewicht fällt. Nach ihrer Darstellung hat China an der von Vegetation bedeckten Fläche auf der Erde einen Anteil von 6,6 Prozent. Sein Anteil am Zuwachs von Grün liege jedoch bei 25 Prozent. Zusammen mit Indien trägt das Land zu rund einem Drittel zur zunehmenden Begrünung bei. Während das zusätzliche Grün in Indien jedoch zum weitaus größten Teil auf Ackerland zurückgeht, spielen in China Wälder die größere Rolle. Um Problemen wie der Luftverschmutzung und dem Klimawandel zu begegnen, setzt China auf die Bewahrung und Ausdehnung von Wäldern.

Nach den Angaben der Forschergruppe hat die Produktion von Nahrungsmitteln in China und Indien seit dem Jahr 2000 um mehr als 35 Prozent zugenommen. Wie ein an der Studie beteiligter Geograf vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung in Garmisch-Partenkirchen erklärt, ist die Ertragssteigerung auf den verstärkten Einsatz von Düngemitteln und vermehrte Bewässerung zurückzuführen. Die Versorgung der Pflanzen mit Kalium, Stickstoff und Phosphor, die mehrere Ernten pro Jahr ermöglicht, sorgt dafür, dass die Biomasse zunimmt. Die Fläche der landwirtschaftlichen Anbaugebiete in China und Indien ist nach Darstellung des Geografen seit dem Jahr 2000 nicht wesentlich größer geworden.

Bewässerung und Düngemitteleinsatz können jedoch Folgen für den Grundwasserspiegel und die Gewässerqualität haben. Ein Überangebot an Nährstoffen führt dazu, dass sich Algen und Wasserpflanzen besonders gut entwickeln. Die Überreste dieser und anderer Lebewesen werden von Mikroorganismen wie Bakterien abgebaut, die dabei aber Sauerstoff verbrauchen – umso mehr, je mehr Überreste abgebaut werden müssen. Eine mögliche Folge des Sauerstoffmangels ist ein Fischsterben. Vor diesem Hintergrund spricht der Geograf in Verbindung mit dem zusätzlichen Grün infolge der intensiven Agrar- und Forstwirtschaft, die außer in China und Indien auch in zahlreichen anderen Ländern betrieben wird, von einer zweischneidigen Angelegenheit. Mit ihrer Ertragssteigerung tragen Länder wie China und Indien dazu bei, die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. Die Kehrseite der Medaille sind die Umweltfolgen.

Außer Frage steht, dass Bäume und andere grüne Pflanzen aus einer Vielzahl von Gründen einen großen Wert besitzen. Sie helfen, die Erwärmung einzudämmen, weil sie bei der Photosynthese das Treibhausgas Kohlendioxid verarbeiten. Sie nutzen das Kohlendioxid und Wasser sowie die Energie der Sonnenstrahlung, um neues biologisches Material zu bilden. Als Abfallprodukt fällt bei der Photosynthese Sauerstoff an, der freigesetzt wird und zur Verbesserung der Luftqualität beiträgt. Bäume und andere Pflanzen leisten aber noch mehr: Sie nehmen Staub und Abgase auf. Staubteilchen setzen sich auf den Blättern ab und werden vom Regen in den Boden getragen.

Nach den Worten des Geografen sind Wissenschaftler bislang davon ausgegangen, dass das Mehr an Grün vor allem auf die Tatsache zurückgeht, dass die Menge an Kohlendioxid in der Erdatmosphäre zugenommen hat. Pflanzen können deshalb größere Mengen dieses Treibhausgases für ihr Wachstum nutzen. Wenn allerdings dieser Umstand allein ausschlaggebend wäre, so erläutert der Geograf, dann müsste sich weltweit ein relativ gleichmäßiger Zuwachs an grünem Pflanzenmaterial beobachten lassen. Tatsächlich aber zeigten die Satellitendaten etwas anderes. Der Zuwachs sei besonders dort groß, wo eine intensive Agrar- und Forstwirtschaft betrieben werde, also auch in Europa. Der Wissenschaftler und seine Kollegen kommen deshalb zu dem Schluss, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten eine Schlüsselnde bei der Begrünung der Erde spielen.

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Ulrich Zuber aus Blankenhain in Thüringen.
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