Wie wirken Farben? – Die Frage des Tages

Rot steht unter anderem für Liebe und Leidenschaft, Aggression und Zorn. Wer hingegen Grün sieht, denkt in der Regel unwillkürlich an etwas Lebendiges.

Ganz gleich jedoch, was Menschen mit bestimmten Farben verbinden: Außer Frage steht, dass Farben das Erleben bereichern, dass ihnen seit Jahrtausenden symbolische Bedeutungen beigemessen werden und dass mit ihnen starke Empfindungen verbunden sind. Psychologen versuchen, detaillierte Erkenntnisse darüber zu gewinnen. Inwiefern werden Menschen von Farben beeinflusst?

Antwort: Zu den Wissenschaftlern, die sich mit der Wirkung von Farben beschäftigen, gehören auch Psychologen der Universität Mainz. In einer ihrer Untersuchungen haben sie eine Reihe von Menschen auf einem Bildschirm eine Vielzahl unterschiedlicher Farben betrachten lassen. Währenddessen wurden bei den Studienteilnehmern der Herzschlag und die Leitfähigkeit der Haut gemessen. Wie sich zeigte, nahm die Erregung mit der Sättigung und Helligkeit der Farben zu. Ein Anstieg der Erregung ließ sich auch beim Wechsel von blauen und grünen zu roten Farbtönen beobachten. Wenn sich Menschen auf eine Farbe konzentrierten, war die Beeinflussung ihres emotionalen Zustands deutlich messbar.

Wie aber verhält es sich, wenn sich Menschen in einer Umgebung mit dominanten Farben aufhalten, sich jedoch nicht auf diese, sondern auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren? Um diese Frage zu klären, ließ eine Psychologenforschergruppe 170 Studenten in unterschiedlich gestrichenen Kabinen Intelligenz- und Gedächtnistests machen. Für die Kabinen wurde unter anderem ein Rot verwendet, das der Hersteller mit dem Begriff Energie verbindet. Das eingesetzte Blau – um ein anderes Beispiel zu geben – verknüpft der Farbenhersteller mit Entspannung. Dieser Farbe wird nachgesagt, Konzentration und Aufmerksamkeit zu fördern. Wie die Wissenschaftler im Fachjournal „Color Research & Application“ erklären, hatten die Farben der Umgebung allerdings nicht die vorhergesagten Auswirkungen – weder bei den Testergebnissen noch beim emotionalen Zustand der Teilnehmer. Mit anderen Worten: Für bestimmte Farben ließen sich keine allgemein leistungsfördernden oder -mindernden Effekte nachweisen, und auch Anzeichen einer Beeinflussung des emotionalen Zustands konnten die Forscher nicht entdecken. Nicht auszuschließen ist allerdings nach ihren Angaben, dass Umgebungsfarben, etwa in Klassenräumen, langfristige Wirkungen haben können.

Die Grundlage für das Farbensehen liefert eine bestimmte Gruppe von Fotorezeptoren im Auge: die Zapfen. Diese Sinneszellen kommen beim Menschen nicht nur in einer, sondern gleich in drei Varianten vor. Die Unterschiede liegen in der Empfindlichkeit für Licht unterschiedlicher Wellenlängen. Licht ist elektromagnetische Strahlung und Menschen sehen solche Strahlung mit Wellenlängen zwischen ungefähr 380 und 780 Nanometern (millionstel Millimetern). Unterschiedliche Wellenlängen in diesem Bereich entsprechen unterschiedlichen Farben. Ein Zapfentyp ist auf Blau spezialisiert, einer auf Grün und einer auf Rot. Durch Mischung dieser drei Farben lässt sich jeder Farbton bis hin zu Weiß erzeugen. Nur Menschen, bei denen alle drei Zapfentypen einwandfrei arbeiten, sind in der Lage, alle Farben zu sehen.

Zu den Eigenschaften der Zapfen gehört, dass sie nur bei größeren Lichtstärken erregt werden. Das Farbensehen setzt Helligkeit voraus. Die sogenannten Stäbchen, eine weitere Art von Fotorezeptoren, sind um ein Vielfaches lichtempfindlicher als die Zapfen. Ihnen ist es zu verdanken, dass Menschen selbst bei Nacht sehen können. Dabei werden allerdings nur Unterschiede zwischen hell und dunkel wahrgenommen.

Aufgrund der kulturellen Tradition ist es üblich, Farben eine Vielzahl unterschiedlicher Bedeutungen beizumessen. So gilt zum Beispiel Grün als Farbe der Hoffnung, der Zuversicht, des langen Lebens und der Unsterblichkeit. Weil Bäume Jahr für Jahr neue grüne Blätter hervorbringen, ist Grün ein Symbol für Erneuerung und Wachstum. In der mittelalterlichen Minnedichtung bezeichnete es nicht von ungefähr den Anfang einer Liebe. Im Islam ist es die Farbe des materiellen und spirituellen Heils, der Weisheit und des Propheten Mohammed.

Die Farbe Gelb wiederum wurde in der frühen Zeit des Christentums mit Tod, Verderben, Irrglauben, Heuchelei und Neid verbunden. Die Menschen des Mittelalters verknüpften sie mit Alter und Krankheit. Gelb liefert aber auch ein Beispiel dafür, dass ein und dieselbe Farbe sowohl in positiven als auch negativen Zusammenhängen auftreten kann. In der Wappenkunde steht Gelb für Gold, ein Symbol der Ewigkeit.

Den Reiz von Farben veranschaulicht besonders eindrucksvoll ein indisches Fest namens Holi. Bei diesem alten Frühlingsfest bestreuen sich die Menschen mit gefärbtem Pulver.

 

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Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Claas Hansen aus Buxtehude in Niedersachsen.
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