Warum ist Fracking umstritten? – Die Frage des Tages

Warum ist Fracking umstritten?

Hinter dem englischen Ausdruck „ hydraulic fracturing“, kurz: Fracking, verbirgt sich eine bereits seit Jahrzehnten eingesetzt Technik zur Erschließung unterirdischer Lagerstätten. Ziel ist es, die Durchlässigkeit von Gesteinen zu erhöhen und so die Förderung von Erdöl, Erdgas oder die Nutzung der Erdwärme zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Das englische Verb „fracture“ lässt sich mit aufbrechen übersetzen, sprich: Es geht darum, das Gestein aufzubrechen bzw. Risse entstehen zu lassen. In den USA gibt es seit einigen Jahren einen regelrechten Fracking-Boom. Das Verfahren wird unter anderem eingesetzt, um im großen Stil Erdgas zu fördern. Inzwischen wird so viel Gas gewonnen, dass das Land seine Bemühungen verstärkt hat, es zu exportieren. Das Fracking ist allerdings auch auf heftige Kritik gestoßen. Warum ist es umstritten?

Antwort: Um Öl und Gas aus tief liegenden Gesteinsschichten zu gewinnen, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst. Die Rohstoffe können daraufhin über feinste Risse im Gestein entweichen und über Rohre an die Oberfläche gelangen. Die Zusätze zum Wasser helfen, die Risse trotz des Drucks, den das umgebende Gestein ausübt, offen zu halten und gute Fließbedingungen zu gewährleisten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes besteht das Risiko, dass Grundwasser verunreinigt wird. Zudem tritt bei dem Verfahren eingesetzte Flüssigkeit oberirdisch aus – Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „flowback“. Laut Umweltbundesamt kann die Flüssigkeit neben den eingesetzten Chemikalien giftige Stoffe aus dem Untergrund, etwa Schwermetalle, oder sogar radioaktive Substanzen enthalten. „Bei der Entsorgung des ,flowback‘ und des Lagerstättenwassers besteht noch erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf“, erklärte kürzlich das Umweltbundesamt.

In den USA werden schon länger Risiken des Frackings erforscht, zurzeit zum Beispiel von der Raumfahrtbehörde (NASA) – unter anderem mithilfe von Satellitensensoren. Beteiligt sind Wissenschaftler der Universität Innsbruck. Die Messungen von Luftschadstoffen in einem Fracking-Gebiet im US-Bundesstaat Colorado bestätigen nach deren Angaben Befunde aus anderen Gegenden. Bei der Förderung, Aufbereitung und Verteilung gelangen über zahllose Lecks klima- und gesundheitsschädliche Gase in die Atmosphäre. Bei ihren Messungen sind die Forscher laut der Universität Innsbruck in ländlichen Gebieten, in denen eigentlich saubere Luft zu erwarten wäre, auf krebserregendes Benzol, giftigen und übel riechenden Schwefelwasserstoff sowie eine Vielzahl von Vorläufersubstanzen für gesundheitsschädliches Ozon gestoßen.

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Toni Hachert aus Emden in Niedersachsen.
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