Überholen auf Landstraßen lohnt sich nicht

Überholen auf Landstraßen ist eines der komplexesten und gefährlichsten Fahrmanöver, welches Auto- und Motorradfahrer regelmäßig im Straßenverkehr durchführen. Da der Zeitgewinn oftmals nicht groß ist, sollten Verkehrsteilnehmer sehr genau prüfen, ob sich das Risiko lohnt.

Überholunfälle

Nach dem Abkommen von der Fahrbahn ist Überholen die zweite wesentliche Ursache für schwerste Landstraßenunfälle. 2010 kamen außerorts 255 Verkehrsteilnehmer durch Fehler beim Überholen ums Leben. Der Anteil junger Fahrer ist aufgrund geringer Erfahrung und hoher Risikobereitschaft noch größer als bei anderen Unfalltypen.

Die Unfallschwere von Überholunfällen ist aufgrund der hohen Kollisionsgeschwindigkeiten sehr hoch. Überaschenderweise resultiert nur gut die Hälfte der Überholunfälle in einer Frontalkollision; Fahrunfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit mit anschließendem Anprall an Bäume oder andere Hindernisse spielen auch eine große Rolle und sind nicht weniger gefährlich. Typische Fehler sind:

  • falsches Einschätzen der Annäherungsgeschwindigkeit oder vollständiges Missachten des Gegenverkehrs bei ausreichender Sicht
  • Überholen trotz unzureichender Sicht
  • Fahrunfall als Folge überhöhter Geschwindigkeit beim Überholen
  • Kollision mit Gegenverkehr beim Ansetzen des Überholens aus Kolonne

Motivation des Überholens

Die meisten Verkehrsteilnehmer überholen in dem Glauben Zeit gewinnen zu können. In einem Feldversuch hat der ADAC jedoch nachgewiesen, dass selbst durch permanentes Überholen (ohne Überschreiten der zul. Höchstgeschwindigkeit) maximal 10 % Fahrzeit gespart werden können. Die Fahrzeitgewinne ergeben sich fast ausschließlich durch das Überholen von Lkw und Lkw-Pulks: frei fahrende Pkw halten i. d. R. kaum auf. Bei hohen Verkehrsstärken schrumpft der Zeitgewinn je überholtes Kfz auf wenige Sekunden.

Den meisten Fahrern ist dies auch bewusst; dennoch wird – gerade unter Zeitdruck – impulsiv überholt. Psychologisch können Überholmanöver auch als Fluchtreaktion aus einer fremdbestimmt empfundenen Fahrt in der Fahrzeugkolonne oder als Demonstration der eigenen Überlegenheit zur Stärkung des Selbstwertgefühls interpretiert werden.

Sicher überholen

Zum sicheren Überholen eines Lkw sind mindestens 600 m freie Überholsichtweite erforderlich, selbst für einen Traktor benötigt man mindestens 350 m. Auch mit leistungsstarken Fahrzeugen lassen sich Überholmanöver nicht wesentlich verkürzen, ohne die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten. Hohe Absolutgeschwindigkeiten begünstigen den Kontrollverlust, hohe Relativgeschwindigkeiten erschweren den Abbruch des Überholvorgangs im Notfall. Ein sicheres Überholmanöver besteht aus folgenden Phasen:

  • Übersicht verschaffen: Verkehrssituation, Streckenverlauf, Fahrbahn, Witterung, Sichtweite
  • Ausscheren: Abstand, rückw. Verkehr, Blinken
  • Zügig überholen: Seitenabstand, Höchstgeschwindigkeit beachten
  • Einscheren: Abstand, gefühlvoll einlenken

Wer überholt wird darf seine Geschwindigkeit nicht erhöhen und sollte möglichst weit rechts fahren. Wenn es eng wird müssen alle Beteiligten ausweichen und abbremsen, die Flucht ins Gelände ist jedoch nicht zu empfehlen.

Fazit

Überholmanöver sparen meist weit weniger Zeit ein als die Verkehrsteilnehmer glauben wollen. Automobilclubs empfehlen deshalb bei jedem einzelnen Überholmanöver höchstes Augenmerk auf die Sicherheit zu legen und beim geringsten (!) Zweifel darauf zu verzichten.

Angesichts der hohen Verkehrsstärken und Geschwindigkeiten in der heutigen Zeit fordern die Automobilclubs den verstärkten Ausbau von dreistreifigen Landstraßen mit alternierenden, sicheren Überholfahrstreifen.

Dem sicheren Überholen auf Landstraßen muss zukünftig in der Fahrerausbildung mehr Raum gegeben werden.

(Stand: 31.07.2011 – Änderungen, Irrtum + Schreibfehler vorbehalten)

 

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Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Lisa Fango aus Hilders in Hessen.
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