Keuchhusten – es gibt keinen lebenslangen Schutz – ein Ratgeber

Erwachsene sollten ihre Impfung auffrischen lassen. Das kommt auch vielen Babys zugute.
Seit 2009 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Erwachsenen die Impfung gegen Keuchhusten gemeinsam mit der Impfung gegen Tetanus und Diphtherie zur Auffrischung des Schutzes. Aber warum muss dieser Schutz erneuert werden?

Wissenschaftlich ist heute bekannt, dass weder eine natürliche Infektion noch die empfohlene Grundimmunisierung im Kindesalter ein Leben lang vor den Erkrankungen schützen. Die Antikörper gegen die Erreger nehmen in beiden Fällen recht schnell ab. Bei den letzten größeren Keuchhusten-Ausbrüchen in den Jahren 2007 und 2012 waren je nach Region 60 bis 80 Prozent der Erkrankten ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Wie verläuft die Infektion bei Erwachsenen?
Charakteristisch sind Hustenattacken, die meist nachts schlimmer sind als tagsüber. Die Anfälle können so stark sein, dass die Luft wegbleibt oder man danach erbricht. Keuchhusten dauert Wochen bis Monate. Grundsätzlich verläuft die Erkrankung bei Erwachsenen weniger typisch und milder als bei Babys. Wahrscheinlich weil wir fast alle durch wiederholten Kontakt mit dem Erreger und durch frühere Impfungen noch einen gewissen Immunschutz haben. Deshalb wird Keuchhusten oft gar nicht erkannt.

Wie gut sind Babys geschützt?
Heute ist ein Neugeborenes fast immer ungeschützt, da schwangere Frauen nur selten Antikörper haben, die sie auf ihr Kind übertragen könnten. Die Impfung gegen Pertussis (Keuchhusten) wird aber erst ab einem Alter von zwei Monaten empfohlen. Für Säuglinge ist die Infektion zudem viel gefährlicher. Es drohen Komplikationen bis hin zum Atemstillstand. Mehr als die Hälfte der erkrankten Babys unter einem Jahr müssen im Krankenhaus behandelt werden, im Alter von unter drei Monaten sind es mehr als 80 Prozent. Um den Immunschutz bei Neugeborenen zu verbessern, wird in einigen Ländern eine Pertussis-Impfung während der Schwangerschaft empfohlen. Auch die STIKO berät über diese Möglichkeit.

Kommt ein besserer Impfschutz der Erwachsenen also auch Babys zugute?
Ja, es wird schon seit 2004 empfohlen, dass sich Personen impfen lassen, die engen Kontakt mit Babys haben. Aber leider ist aus Untersuchungen bekannt, dass selbst in Haushalten mit Kindern unter einem Jahr nur ca. 10 Prozent der Erwachsenen ausreichend geimpft sind. Der Keuchhusten-Erreger, das Bakterium Bordetella pertussis, ist aber hochansteckend. Er wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, z. B. beim Niesen oder Husten. Das wiederum bedeutet, wer keine ausreichende Immunität besitzt, wird nach einem Kontakt mit dem Erreger sehr wahrscheinlich auch erkranken.

Helfen denn Antibiotika nicht bei Keuchhusten?
Sie sind wirksam gegen den Erreger, lindern den Verlauf der Erkrankung jedoch nur, wenn frühzeitig behandelt wird. Weil gerade bei Erwachsenen die Beschwerden so unspezifisch sind, vergehen aber meist 2 bis 3 Wochen bis zur richtigen Diagnose. In dieser Zeit ist die Infektion nicht nur hoch ansteckend. Bis dahin sind auch die Schleimhäute der Atemwege bereits schwer geschädigt durch die Bakteriengifte, die Bordetella pertussis produziert. Es kann Wochen bis Monate dauern, bis die Schleimhäute heilen, deshalb ist die Erkrankung so langwierig. Trotzdem sollte mit Antibiotika behandelt werden, solange noch Erreger in den Atemwegen vorhanden sind: meist bis etwa 3 Wochen nach Beginn der Beschwerden. Das mindert zudem das Ansteckungsrisiko.

Impfung ist also der beste Schutz.
Auf jeden Fall. Doch leider sind die Quoten besonders für die empfohlenen Auffrischimpfungen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter unbefriedigend. Bei Babys und Kindern sind sie hoch, aber dann brechen sie ein. Jugendliche nehmen zu selten Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch, bei denen der Impfstatus geprüft wird, und gehen auch sonst nicht oft zum Arzt. Bei Erwachsenen könnten die Impfraten allmählich steigen, wenn bei der alle 10 Jahre fälligen Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie wie empfohlen zudem gegen Keuchhusten geimpft wird. Die Immunisierung ist gut verträglich.

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Frank Roster aus Gardelagen in Sachsen-Anhalt.
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