Ein Aquarium kann teuer sein, muss es aber nicht – ein Ratgeber

Die Unterhaltskosten eines Aquariums

Steht ein neues Aquarium im Wohnzimmer, tadellos eingerichtet, und sind die ersten Fische und Pflanzen eingesetzt, kann man voraussetzen, dass die Anschaffungskosten bezahlt sind und der Geldbeutel entlastet ist. Dennoch kostet der Betrieb weiterhin Geld. Wie viel das ist, lässt sich schon vor der Anschaffung ausrechnen.

Vor allem die beiden hauptsächlichen Faktoren Strom und Wasser sind ziemlich genau berechenbar. Die Ausgaben für die Pflegemaßnahmen sind sehr variabel und lassen sich am ehesten vom Aquarianer selbst beeinflussen.

Wie berechnet man die Kosten für ein Aquarium?
Im Folgenden mache ich einmal die Rechnung für meine beiden Becken mit einer Größe von 660 und 54 Liter auf und erläutere die einzelnen Werte.

Strom
Wie hoch der Stromverbrauch ist, hängt in erster Linie von der Größe und der technischen Ausstattung eines Aquariums ab.

In dem 54-Liter-Becken läuft 24 Stunden am Tag ein Fünf-Watt-Filter. Hinzu kommt eine 15-Watt-Leuchtstoffröhre, die täglich zwölf Stunden das Becken beleuchtet. Da in den meisten Abdeckleuchten konventionelle Vorschaltgeräte eingebaut sind, muss man einen weiteren Mehrverbrauch von bis zu 40 Prozent der eigentlichen Wattzahl mit einbeziehen. Dieser Mehrverbrauch kommt zustande, weil das Vorschaltgerät die Stromstärke regelt und dabei ein Leistungsverlust entsteht. Ein evtl. schon vorhandenes elektronisches Vorschaltgerät oder bereits eingesetzte LED-Leuchtröhren verringern den Stromverbrauch entsprechend. Es gibt in diesem Aquarium keinen Heizer, weil die Raumtemperaturen zwischen 22 und 25 °C liegen und das für den Fischbesatz ausreichend ist. Nun berechnet man diese Werte:

5 Watt x 24 Std + 21 Watt x 12 Std = 372 : 1.000 = 0,372 x 365 Tage

So erhält man als Ergebnis 135,78. Das ist die Anzahl der Kilowattstunden, die pro Jahr verbraucht werden.

Bei einem Strompreis von 31,7 Cent* für eine Kilowattstunde muss ich im Jahr ca. 43 Euro Stromkosten für mein 54-Liter-Aquarium bezahlen.

An meinem 660-Liter-Aquarium sind zwei Filter, die zusammen eine Leistungsaufnahme von 30 Watt haben, 24 Stunden in Betrieb. Zwei Leuchtstoffröhren mit je 30 Watt brennen acht Stunden pro Tag. Hinzu kommt der Verbrauch der Vorschaltgeräte. Zusätzlich brennt 24 Stunden eine UV-Lampe von neun Watt Leistung.

Schwierig wird es bei der Heizung, da sie die variabelste Größe im Aquarium ist und die Beckentemperatur auch von der Raumtemperatur beeinflusst wird. Dazu kommen weitere Faktoren wie Zugluft im Winter oder Sonneneinstrahlung im Sommer. Da ich nur eine 150-Watt-Heizung verwende und das Wasser eine Temperatur von 27 °C hat, nehme ich einen Betrieb von 18 Stunden pro Tag an.

In der Rechnung sieht es dann so aus:

30 W x 24 Std + 84 W x 8 Std + 150 W x 18 Std + 9 W x 24 Std = 4308 : 1.000 = 4,308 x 365 Tage

Demzufolge werden pro Jahr etwa 1.572,42 Kilowattstunden verbraucht, die mich knapp 500 Euro* kosten. Das entspricht auch ungefähr dem jährlichen Mehrverbrauch gegenüber meiner aquarienlosen Zeit.

Der Vollständigkeit halber müsste man jetzt auch noch den Stromverbrauch des Durchlauferhitzers berechnen, da er das temperierte Wasser für den Wasserwechsel liefert. Darauf verzichte ich hier jedoch, bin aber schon beim nächsten Faktor angelangt, dem Wasser.

Wasser
Wöchentlich führe ich einen Teilwasserwechsel durch, also 52 mal im Jahr. Es sind fast immer die gleichen Mengen, da ich mich nach Markierungen richte, um mir das Arbeiten zu erleichtern. In dem 54-Liter-Becken sind es 15 Liter, also 780 Liter pro Jahr, und im 660-Liter-Becken etwa 250 Liter; das ergibt im Jahr ungefähr 13.000 Liter oder 13 Kubikmeter Leitungswasser. In Berlin bezahlt man momentan (September 2020) für einen Liter inklusive Abwassergebühr 0,5 Cent. Der Wasserwechsel im kleinen Aquarium kostet also lediglich 3,90 Euro, während das große Becken mit rund 65 Euro im Jahr zu Buche schlägt.

Nebensächlich?
Unsere Fische und Pflanzen wollen ernährt werden, das beim Teilwasserwechsel hinzugegebene Wasser aufbereitet und das Aquarium mitsamt seiner Technik gewartet werden. Gerade in diesem Bereich kann der (Neu)-Aquarianer nun wirklich sein Gespartes loswerden. Als Anfänger fällt es oft schwer, zu erkennen, welche Pflegemittel wirklich nötig sind. Die Vielfalt der auf dem Markt erhältlichen Produkte macht die Wahl nicht einfacher, also gerät man schnell in Versuchung, zu viel des Guten zu tun. Über den Nutzen solcher Mittel möchte ich mir kein Urteil erlauben. Fest steht aber, dass sie den Geldbeutel des Aquarianers leeren.

Auf vieles in diesem Bereich kann man verzichten, auf anderes wiederum nicht, vor allem natürlich nicht auf das Futter. Gerade hier sollte die Sparsamkeit im Zaum gehalten werden. Gegen Sonderangebote namhafter Firmen ist nichts einzuwenden, verlockend billige No-Name-Großgebinde bergen aber Risiken, da Vitamine kein Licht vertragen und oft auch Herkunft und Alter nicht angegeben sind.

Ebenso muss auch der beste Filter einmal gewartet und das Material teilweise erneuert werden. Bei einem großen Filtervolumen muss auch mehr Material ausgetauscht werden.

Außerdem macht es einen Unterschied, ob man einem 54- oder einem 660-Liter-Aquarium Vitamine und Spurenelemente zugibt – eine Dosis für das große Becken reicht für über zehn Gaben in dem kleineren.

Alle diese Faktoren sind sehr variabel und damit schwer zu berechnen. Auch Preise und Qualität sind sehr unterschiedlich. Schon daher lassen sich keine pauschalen Beträge angeben wie „200 Euro auf 500 Liter für ein Jahr“. Als Aquarianer muss man immer mit dem Unmöglichen rechnen. Filter oder Heizer können kaputt gehen, was auch wieder Geld kostet. Einigermaßen korrekt berechnen lassen sich aber die Kosten für Strom und Wasser, die ja den Löwenanteil ausmachen. Damit kann man planen. Im Internet findet man auch verschiedene Aquarium-Kostenplaner.

Bleibt die Erkenntnis, dass die Aquaristik im Vergleich zu anderen Haustieren und Hobbys nicht unbedingt teuer sein muss, es aber durchaus werden kann.

* = Stand: September 2020 bei 19 % MwSt, der wegen der Corona-Pandemie für die Zeit vom 01.07.2020 bis 31.12.2020 auf 16 % abgesenkte Mehrwertsteuersatz habe ich wegen seiner zeitlich begrenzten Gültigkeit bewusst unberücksichtigt gelassen

 

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Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Randolph Brewster aus Berlin in Deutschland.
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