Die Weihnachtsengelein

In der Zeit vor Weihnachten gibt’s im Himmel immer furchtbar viel zu tun. So viel, dass der Heilige Petrus beinahe übersehen hätte, dass ja heute der Heilige Abend ist.

„Ach, du meine Güte!“ ruft er erschrocken, „es wird ja höchste Zeit! Schnell, ihr Engelein, packt eure Geschenke zusammen und fliegt zur Erde!“

Kopfüber, kopfunter purzeln die Englein aus dem Himmelstor hinunter. Sie sind mit vielen Päckchen und Tannenbäumchen beladen. Sie freuen sich schon auf die wartenden Kinder.

Auf der Erde gibt es dann viel zu tun. Ein Englein fliegt zum kleinen Peter. Er steht schon lange am Fenster und wartet auf das Weihnachtsengelein. Als es nun zu Peter ins Zimmer fliegt, ist er vor Freude ganz atemlos. Und was möchte er nicht alles haben! Eine Eisenbahn, ein Auto, einen Pudelhund, einen Christbaum und viele, viele Plätzchen. Das Englein hat an alles gedacht. „Oh, danke, liebes Englein!“ ruft Peter froh. – Auch in vielen anderen Häusern schauen die Kinder voller Sehnsucht nach den Weihnachtsenglein aus.

Das allerkleinste Englein ist heute besonders glücklich. Es darf zum ersten Mal mit auf die Erde fliegen. Im letzten Jahr war es noch zu klein. Es soll dem kleinen Klaus seine Weihnachtsgeschenke bringen. Das Bübchen liegt in seiner Wiege. Als es das Englein entdeckt, streckt es die dicken Ärmchen nach ihm aus. Da nimmt das Englein den bunten Hampelmann. Es lässt ihn über Klausis Wiege lustig hampeln. Klausi strampelt und quietscht vor Vergnügen. Es möchte den Hampelmann so gern erwischen. Aber der lacht nur lustig und hampelt immer weiter. Als das Englein merkt, dass Klausi müde wird, fliegt es sachte davon. Im Traum sieht Klausi immer noch das liebe Englein mit dem Weihnachtsbaum. Das kleine Englein aber ist glücklich. Das Weihnachtsfest auf der Erde ist ja noch viel schöner, als es sich das vorgestellt hat! Und nun wird es jedes Jahr dabeisein.

So fliegen die Englein von Haus zu Haus. Sie vergessen kein einziges Kind. Sie haben schrecklich viel zu tun, denn die Wunschzettel waren in diesem Jahr besonders lang.

Was schleppen die Englein nicht alles herbei! Ein Buch für Jürgen, eine Jacke für Karin. Schuhe und Strümpfe für Thomas, einen Malkasten für Inge. Gerda und Christel haben eine Puppenstube und wünschten sich dazu Schaufel und Besen und ein neues Kaffeeservice. Und in jedem Zimmer steht ein wunderschöner Weihnachtsbaum. Auch in der kleinsten und ärmsten Hütte gibt es heute glückliche Kinder. In einem kleinen Haus am Stadtrand wohnt die kleine Ruth mit ihrer Mutti. Auch sie schreibt einen Wunschzettel ans Christkind. „0 weh“, sagt Mutti, als sie den langen Brief sieht. „ich glaube kaum, dass das Christkind dir all diese Wünsche erfüllen kann. Schau, unser Christkind ist in diesem Jahr nicht so reich. Da wirst du noch ein paar Wünsche streichen müssen.“ Da nimmt Ruth einen Bleistift zur Hand. Sie streicht fast alle Wünsche aus. Nur den Weihnachtsbaum mit den vielen Kerzen, den möchte sie auf keinen Fall vermissen! Als sie am Heiligen Abend ins Weihnachtszimmer kommt, ist der Baum ein einziges Lichtermeer. Und Geschenke gibt es außerdem. Wie glücklich ist die kleine Ruth!

Nun sind die Gabensäckchen leer. Alles ist verteilt. Leise und zufrieden schweben die Englein in den Himmel zurück. „Petrus, mach uns auf!“ rufen sie, als sie ans Himmelstor kommen.

„Kommt herein, kommt herein!“ sagt der Gute. „Ihr müsst ja schrecklich müde sein. Aber erzählt mir doch noch rasch, wie es unten auf der Erde aussieht. Habt ihr auch allen Kindern eine Freude gemacht und eure Pflicht erfüllt? Nun, was habt ihr mir zu sagen?“

„Aber Petrus!” lacht ein putziges Englein. „Wenn du so misstrauisch bist, dann schau doch durch das Guckloch, das du dir extra ins Himmelstor gebohrt hast.“

„Ihr respektlose Bande!“ schimpft der Petrus. Verschmitzt lachend hebt er den Finger. „Marsch, ab mit euch ins Wolkenbett!“ Als die Englein verschwunden sind, beugt sich der Petrus vor und schaut durch das Loch im Tor auf die Erde hinunter.

Im tief verschneiten Winterwald steht das Haus des Försters. Da ist die Freude heute groß. Die zwei Buben sitzen auf der Erde. Sie sind ganz vertieft in ihr Spiel. Heute sind sie richtige Förster wie ihr Vater. Sie haben einen eigenen Wald aus geschnitzten Bäumen, kleine Rehe und Hasen aus Holz. Und in ihrer Fantasie ist es eine lebendige Welt.

Petrus tritt zufrieden vom Guckloch zurück.

Doch, was muss er sehen? Alle Englein sind wieder aus ihren Wolkenbettchen hervorgekommen. Sie wollen sehen, ob der gute Petrus zufrieden mit ihnen ist.

„Na so was!“ staunt er überrascht.

Auf Erden sinkt die Nacht hernieder. Goldener Schein kommt aus allen Fenstern und leuchtet hinaus in die weiß verschneite Welt.

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Ingrid Hallach aus Rostock in Mecklenburg-Vorpommern.
Ende des Beitrags 2012-0004-001jK – 1-2012-001-2022

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