Bewusst konsumieren – ein Ernährungs-Ratgeber

Als Verbraucher können wir Zeichen setzen, indem wir unsere Lebensmittel möglichst regional, saisonal und ökologisch einkaufen. Wer Bio-Betriebe in seiner Gegend unterstützt, tut damit etwas für die Umwelt, für örtliche Unternehmen und auch für die nachfolgenden Generationen.

Wer konventionell erzeugte Ware kauft, die zudem von weither transportiert werden muss, unterstützt damit eine Lebensmittelproduktion, die Pestizide einsetzt, durch eine nicht nachhaltige Landwirtschaft Böden auslaugt und durch die Transportwege hohe Kohlendioxid-Emissionen verursacht. Natürlich gibt es nicht immer alles Gewünschte aus regionaler Bio-Produktion, aber wer Menschen und Umwelt in seiner Umgebung fördern möchte, kann mitunter auch einmal auf die aus fernen Ländern importierte Ananas verzichten und sich stattdessen einen regional erzeugten Bio-Apfel munden lassen.

Warum Bio?
Bio-Ware ist eine sichere Wahl für die eigene Gesundheit. Darauf hat der Bund Ökologische Landwirtschaft (BÖLW) anlässlich eines Öko-Monitorings in Baden -Württemberg hingewiesen. Die Test-Ergebnisse des Öko-Monitorings Baden-Württemberg zeigen, dass Bio-Lebensmittel die sichersten am Markt sind. Weil Bio-Bauern keine chemisch-synthetischen Pestizide einsetzen, sind diese fast vollständig frei von Verunreinigungen mit Pflanzenschutzmitteln. Besonders deutlich wird der Unterschied bei Gemüse: Öko-Gemüse ist durchschnittlich 320-fach weniger mit Pestiziden belastet als konventionelle Produkte.

Die Ergebnisse beweisen einmal mehr, dass die bewährte prozessorientierte Bio-Kontrolle den Verbrauchern die höchste Sicherheit bietet. Der schonende Anbau-Prozess, bei dem die Bio- Bauern auf Fruchtfolgen, Sortenvielfalt und ökologischen Pflanzenschutz setzen, führt zur hohen Bio-Qualität im Endprodukt. Zugleich weist er aber auch auf Probleme hin, mit denen Öko-Landwirte zu tun haben. Auch wenn fast alle Bio-Produkte keine Belastungen mit chemisch-synthetischen Pestiziden aufweisen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Pestizid-Spuren auf Bio-Produkte gelangen. Denn solange der Großteil der Landwirtschaft auf den Einsatz von Agrarchemie setzt, befinden sich Pestizidrückstände in unserer gesamten Umwelt.

Die Ergebnisse des Öko-Monitorings zeigen auch, dass bei der Reform des europäischen Bio-Rechts weiter auf das bewährte Öko-Kontrollsystem gesetzt werden muss. Auf dem Holzweg sind hingegen die EU-Mitgliedsstaaten, die im EU-Agrarrat fordern, dass Bio- Bauern für den Pestizid-Einsatz ihrer konventionellen Nachbarn haften sollten. Diese Forderung würde die Abschaffung des Öko-Landbaus in Europa bedeuten.

Warum regional?
Wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft meldet, wird es für Verbraucher immer bedeutender, regionale Produkte zu kaufen. Lebensmittel aus der Heimat werden immer beliebter. Viele Menschen wollen das Ernährungshandwerk in ihrer Region unterstützen, um auch regionale Arbeitsplätze zu sichern. Umso wichtiger ist es, dass regionale Produkte verlässlich und transparent gekennzeichnet werden und die Verbraucher nicht täuschen. So können Verbraucher frei entscheiden, ob das Produkt ihren Ansprüchen an Regionalität entspricht.

Regional ist. mitunter wesentlich günstiger als von weither transportierte Ware, besonders wenn es sich um Obst und Gemüse der Saison handelt. Regionale und saisonale Lebensmittel sind gesund und nährstoffreich, weil sie reif geerntet werden. Gleichzeitig schonen sie den Geldbeutel, denn Saisonobst oder -gemüse ist meist besonders preiswert. Gesund und günstig muss sich also nicht ausschließen.

Nachhaltige Landwirtschaft sichert Wasserversorgung
Anlässlich des von der UNESCO ausgerufenen Weltwassertages hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft gewarnt und verstärkte Anstrengungen beim Schutz der Gewässer vor Überdüngung und Pestiziden gefordert. Zu den Hauptverschmutzern des Grund- und Oberflächenwassers in Deutschland, Europa und weltweit gehört die industrielle Agrarwirtschaft mit ihren hohen Nitrat- und Pestizideinträgen. Auch das in deutschen Discountern scheinbar so billige Fleisch wird teuer erkauft, unter anderem mit einer Verschlechterung der Grundwasserqualität, sagte der BUND.

Drei Viertel des Trinkwassers in Deutschland werden aus Grundwasser gewonnen, wobei mehr als die Hälfte der Grundwassermessstellen inzwischen besorgniserregende Nitratbelastungen aufweisen. Die Hauptursachen dafür sind zu lasche Umweltgesetze, die Überdüngung mit Gülle aus der Massentierhaltung und Mais-Monokulturen. Geeignete Gegenmittel sieht der BUND in der Umstellung auf eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft sowie in einem strengeren Düngerecht inklusive der Einführung sogenannter „Hoftorbilanzen“.

Das Agrarministerium muss das Düngerecht zügig reformieren und Oberflächen- und Grundwasser vor Belastungen aus der industriellen Agrarwirtschaft schützen. Bund und Länder müssen gemeinsam für wirksame Kontrollmechanismen sorgen. Für sämtliche Agrarbetriebe ist die Einführung einer Hoftorbilanz erforderlich, die alle Nährstoffströme erfasst, die in die Betriebe hinein- und hinausgehen. So wird die Herkunft von zu viel Gülle und Dünger sichtbar und beides kann gezielt verringert werden, so ein BUND-Wasserexperte.

Probleme durch exportorientierte Fleischproduktion
Erfreulich ist, dass der Fleischkonsum in Deutschland inzwischen sinkt, im Gegensatz dazu steht jedoch die zunehmende Exportorientierung der Fleischproduktion. Nach Ansicht, des BUND tragen die politisch Verantwortlichen in Brüssel und Berlin mit schwachen Tierschutz-Standards, indirekten Subventionen für industrielle Tierställe und Schlachthöfe sowie mit Zuschüssen für die Fleischlagerung erheblich dazu bei. Rechnerisch wird inzwischen jedes fünfte Masthuhn und jedes sechste Schwein exportiert, die Gülle aus den Tierfabriken hingegen bleibt hier und belastet unsere Gewässer. Die Anzahl der gehaltenen Tiere pro Hof muss den verfügbaren Flächen und die produzierte Menge an Fleisch und Milch dem tatsächlichen Inlandsbedarf angepasst werden, fordern die BUND-Agrarexperten.

Um dauerhaft eine Weltbevölkerung von bald 10 Milliarden Menschen zu ernähren, müssten vor allem in den reichen Industriestaaten Fleischproduktion und -konsurn verringert werden.

Zwischen 2014 und 2020 erhält die exportfixierte Agrar- und Ernährungsbranche in der EU rund 400 Milliarden Euro an Steuergeldern – bisher ohne besondere Umwelt- und Tierschutzvorgaben. Für eine bäuerlich-ökologische Agrarwende wäre genug Geld vorhanden. Stattdessen trägt die ungerechte und umweltfeindliche Ausschüttung der Gelder vor allem an industrielle Agrarbetriebe dazu bei, Böden und Gewässer zu schädigen.

Nachhaltiger Warenkorb
Wer sich generell zum Thema nachhaltiger Konsum informieren möchte, kann zum Beispiel das Angebot des „Nachhaltigen Warenkorbs“ nutzen. Dieser beliebte Einkaufsratgeber des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) wurde kürzlich überarbeitet und um die neuesten Entwicklungen im Bereich des nachhaltigen Konsums erweitert. Der Ratgeber ist unter www.nachhaltiger-warenkorb.de als Broschüre und als kostenlose Smartphone-App für Android, iOS und WindowsPhone erhältlich.

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Dagmar Bamter aus Plön in Schleswig-Holstein.
Ende des Beitrags 1-2015-243-1405-2
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