Weihnachten im Walde

(Weihnachtsmärchen von Irma Bielenberg)

Es  ist der Heilige Abend. Alle Dächer haben hohe Schneehauben auf und glitzern in der untergehenden Sonne. Die Tannenzweige neigen sich unter der Schneelast. Die Vöglein sind schon beim Einschlummern. Nur in der Mitte des Baches plätschert noch ein dünnes Rinnsal dahin. Da hört man plötzlich im nahen Wald leises Schellengeläut erklingen. Ob das der Weihnachtsmann ist?

Natürlich, da kommt der Weihnachtsmann. Es ist ja höchste Zeit! In den Häusern gehen schon die ersten Lichter an. Und die Kinder warten mit sehnsüchtigen Augen.

Doch was ist das? Der Weihnachtsmann hinterlässt ja eine ganz bunte Spur auf seinem Weg durch den Wald! Gerade neben der Schlittenspur sind Äpfel, Nüsse und bunte Lebkuchen in den Schnee gepurzelt. Im Gabensack des Weihnachtsmannes ist nämlich ein Loch. Die Englein haben vergessen, es zu stopfen.

Da kommt schon ein Rehlein herbei und schnuppert an einem süßen Plätzchen. Der Fuchs und das Eichhörnchen lassen auch nicht lange auf sich warten. Denn so ein süßer Duft zieht sonst nicht durch den Wald. Häschen Hops und Mäuschen Pieps haben auch etwas gemerkt. Eilig kommen sie herbei. Es dauert gar nicht lange, da sind all die leckeren Süßigkeiten aufgefuttert. Nur ein Paar Hausschuhe liegen im Schnee. Die Tiere beschnuppern sie von allen Seiten. Sie wissen nichts mit ihnen anzufangen.
„Vielleicht weiß der Wichtelmann Rat“, sagt Häschen Hops.

„0 ja“, freut sich das Rehlein, „vielleicht passen sie ihm!“

So machen sich die Tiere auf den Weg zum großen Wurzelstock am Waldrand.

Dort wohnt nämlich der Wichtelmann.

Auch der Wichtelmann wartet schon auf den Weihnachtsabend. Er hat sich ein hübsches Weihnachtsbäumchen ausgesucht und mit Kerzen besteckt.

„Hallo, Wichtelmännlein“, sagen die Tiere, als sie ankommen. „Hast du nicht einen Augenblick Zeit? Wir haben im Wald ein Paar Schuhe gefunden. Vielleicht passen sie dir!“

Und weil so hoher Schnee liegt, darf der Wichtelmann auf dem Rehlein reiten. Als sie zu den Schuhen kommen, schlüpft der Wichtelmann schnell hinein. Aber, o weh! Die Schuhe sind ja viel zu groß! Was nun? Man kann die schönen Hausschuhe doch nicht einfach im Schnee liegen lassen. „Ich weiß etwas“, sagt der Wichtelmann. „Wir bringen die Hausschuhe zu der alten Frau, die in dem kleinen Haus am Waldrand wohnt.“

Die Tiere sind von diesem Vorschlag begeistert. Das Füchslein schnappt sich den einen Schuh und das Eichhörnchen den anderen. Dann machen sich alle gemeinsam auf den Weg.

Es ist sehr weit bis zu dem Häuschen am Waldrand. Aber endlich können die Tiere die Hausschuhe vor die Türe stellen.

Die alte Frau hat draußen so ein komisches Rascheln und Tapsen gehört. Sie macht die Tür auf, um nachzusehen, was da draußen los ist. Wie groß ist ihr Erstaunen, als sie die wunderschönen Hausschuhe entdeckt! Nein, so etwas! Vorsichtig streicht sie über den weichen Samt. So schöne Schuhe hat sie noch nie besessen! Die Tiere haben sich hinter Bäumen und Sträuchern versteckt. Sie sind glücklich über Wichtelmanns guten Einfall. Denn ohne ihn wären sie nie auf diese gute
Idee gekommen.

Die alte Frau nimmt die Schuhe und geht in ihr Häuschen zurück. Neugierig gucken Häschen Hops und das Fuchslein durchs Fenster. So eine Freude! Die Schuhe passen wie angegossen!

Glücklich machen sich die Tiere auf den Heimweg. Schon bald begegnen sie dem Weihnachtsmann. Er kommt von der Bescherung der Kinder zurück. Alle Geschenke sind verteilt, und der Gabensack ist leer. „Macht nichts“, sagt Häschen Hops, „wir haben vorhin viele gute Sachen im Schnee gefunden. Nicht wahr, Weihnachtsmann, die waren für uns bestimmt?“

Da muss der Weihnachtsmann schmunzeln. Jetzt weiß er wenigstens, was aus den vermissten Lebkuchen und den anderen Leckereien geworden ist.

„Und die Hausschuhe haben wir der alten Frau im Häuschen am Waldrand gebracht“, erzählt der Wichtelmann. Da ist der Weihnachtsmann froh. Denn genau dorthin sollten die Schuhe kommen.

„Wenn ihr so tüchtig seid“, sagt der Weihnachtsmann müde, „könnt ihr mir im nächsten Jahr bei der Verteilung der Gaben helfen. Dann werde ich nicht mehr so müde sein, wie ihr mich heute seht.“ „Gern!“ rufen die Tiere begeistert. „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!“ Dann rennen alle glücklich zur Wohnung des Wichtelmannes.

Aber – was ist das? Sie trauen ihren Augen kaum! Da steht ein wunderschön geschmückter Weihnachtsbaum vor dem Wurzelhäuschen. Und eine Futterkrippe und ein Vogelhäuschen sind auch dabei. „Nun muss ich nicht alleine feiern“, freut sich der Wichtelmann.

Dann stehen alle um den Weihnachtsbaum mit den strahlenden Kerzen und freuen sich wie noch nie. Ach ja, im Walde ist Weihnachten doch am allerschönsten, denkt der Wichtelmann. Glücklich schaut er auf all seine lieben Freunde. Ganz strahlende Augen haben die Tiere bekommen! Voller Freude singt der Wichtelmann ein schönes Weihnachtslied. Und alle stimmen ein.

„Wo ist das Rehlein?“ fragt Häschen Hops nach einer Weile. Dann sehen es alle. Das Rehlein ist eingeschlafen. Sicher hat es einen schönen Traum.

 

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