Verstopfte Rohre reinigen – mit Chemie oder Saugglocke? – ein Ratgeber

Verstopfte Waschbecken, Dusch- oder Badewannen sind eklig: Das Übel kündigt sich meist schon länger an – dann, wenn beim Ablassen des Wassers ein leichter Rückstau im Becken oder der Wanne entsteht.

Spätestens dann sollte der Wohnungsbesitzer handeln. Denn wenn erst einmal alles richtig zu ist, können manchmal nur noch Profis helfen – und das kann teuer werden, vor allem, wenn am Wochenende plötzlich nichts mehr geht.

Zumindest eine leichte Verstopfung können aber auch wenig geübte Heimwerker selbst beseitigen. In der Werbung greifen Hausfrauen und -männer gern auf chemische Rohr- und Abflussreiniger zurück, die Schmutzpropfen ohne mechanische Hilfe schnell auflösen.

Wer allerdings Gewässer vor Versalzung schützen will, sollte auf chemische Rohrreinigungs-Mittel möglichst verzichten, rät das Umweltbundesamt in Dessau. Denn die Inhaltsstoffe der Reiniger werden durch die Kläranlagen nicht herausgefiltert und belasten das Wasser.

Chemische Rohrreiniger enthalten vor allem Natriumhydroxid, das zusammen mit Wasser eine ätzende Natronlauge bildet. Diese Lauge beseitigt die Verstopfung, belastet aber eben auch die Umwelt und greift die Rohrinnenwände an.

Zudem drohen in besonders hartnäckigen Fällen Verätzungen, wenn sich die Rohrverstopfung chemisch nicht beheben lässt, der Siphon entfernt und die Verstopfung per Hand beseitigt werden müssen.

Auf keinen Fall darf die die richtige Dosierung chemischer Abflussreiniger überschritten werden. Sonst drohen Klumpenbildung und harte Ablagerungen, warnt die Stiftung Warentest in Berlin. Zudem sollte die Umwelt nicht unnötig stark belastet werden. Bei einer Überdosierung besteht außerdem die Gefahr, dass sich die Rohre durch chemische Reaktionen überhitzen. Dadurch können sich Kunststoffteile des Siphons verformen. Unter Umständen bilden sich im Abfluss sogar brennbare Gase, die zu Explosionen führen können. Wichtig ist beim Einsatz chemischer Abflussreiniger deshalb immer eine gute Belüftung.

Blockierungen in Abflüssen entstehen unter anderem durch Haare, Fett und Seifenreste. Oft lässt sich eine Verstopfung mit einer Mischung aus flüssigem Geschirrspülmaschinen-Reiniger und viel heißem Wasser lösen. Nutzt dies nichts, hilft die altbewährte Saugglocke. Durch Pumpen mit der Saugglocke wechseln Über- und Unterdruck und das im Abfluss gestaute Wasser kann wieder abfließen.

Von einer Reinigung der Rohre mit Pressluft, wie sie oft in TV-Werbesendungen gezeigt wird, hält die Verbraucherzentrale nichts. Denn durch Hochdruck können gesteckte Rohrverbindungen gelöst werden und so unsichtbare Wasserschäden entstehen. Experten lösten Rohrverstopfungen deswegen ohnehin nur mit Unterdruck.

Am wirkungsvollsten reinigt man einen Abfluss allerdings durch Abschrauben des Siphons unterhalb des Waschbeckens. Bei gut zugänglichen Geruchsverschlüssen genügt es, die beiden Überwurfmuttern am Siphon zu öffnen. Danach wird das Krümmerrohr abgenommen und der Schmutz entfernt. Geeignete Hilfsmittel sind hier eine Flaschenbürste oder ein Draht.

Komplizierter wird es, wenn die Siphons von Bade- und Duschwannen dicht sind. Sie sind in der Regel nur über den sogenannten Revisionsschacht zu erreichen. Solche Aktionen werden nur wirklich erfahrenen Heimwerkern empfohlen – alle anderen sollten sich besser an einen Klempner wenden. Sonst drohten am Ende erhebliche Mehrkosten durch Wasserschäden.

Sind Rohre oder Abflüsse in einer Mietwohnung verstopft, muss in der Regel der Vermieter die Kosten für die Beseitigung der Verstopfung zahlen. Er darf derartige Kosten auch nicht als Bestandteil der Abwasserkosten oder als sonstige Betriebskosten auf die Mieter umlegen, heißt es beim Deutschen Mieterbund (DMB) in Berlin.

Der Mieter muss nur dann zahlen, wenn ihm der Vermieter nachweisen kann, dass er die Abflussverstopfung schuldhaft verursacht hat – zum Beispiel durch Einleiten einer größeren Menge Katzenstreu in die Toilette.

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Nadine Remmert aus Geretsried in Bayern.
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