Verändert Licht das Verhalten? – Die Frage des Tages

Bereits im 17. Jahrhundert wurde es in manchen Großstädten üblich, Straßen nachts zu beleuchten.

Zu den Vorteilen gehört, dass die Sicherheit zunimmt. Dass es auch Nachteile gibt, betonen nicht zuletzt astronomisch Interessierte. Wegen der Lichtflut fällt es schwer, Himmelskörper zu beobachten. Seit einigen Jahren beschäftigen sich Forscher mit der Frage, wie sich unter dem Einfluss hell erleuchteter Städte natürliche Abläufe verändern. Wie wirkt sich das Licht zum Beispiel auf Verhaltensweisen von Tieren aus?

Antwort: Bei Ratten und Mäusen haben Wissenschaftler festgestellt, dass sie ihre Aktivitäten steigerten, wenn sie nachts künstlichem Licht ausgesetzt waren. Auch tagsüber waren sie aktiver. Von ähnlichen Beobachtungen bei Fischen berichtet eine Forschergruppe vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Fachjournal „Scientific Reports“. Gemeinsam mit Kollegen vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin hat man herausgefunden, dass Fische, die nachts bei künstlichem Licht gehalten werden, auch tagsüber häufiger aus ihrem Versteck kommen. Dass solche Verhaltensweisen erhebliche Risiken bergen, beschreibt ein an der Studie beteiligter Biologe so: Nicht auszuschließen sei, dass es bei mutigeren Fischen häufiger vorkomme, dass sie von Vögeln gefressen würden.

Ihre Erkenntnisse haben die Forscher bei Guppys gewonnen. Dabei handelt es sich um Süßwasserfische, die aus dem nördlichen Südamerika und von Inseln in der Karibik stammen. Bei Aquarienbesitzern sind Guppys besonders beliebt. Für ihre Studie teilten die Wissenschaftler solche Fische in drei Gruppen ein, die jeweils für zehn Wochen unterschiedlichen nächtlichen Lichtverhältnissen ausgesetzt wurden. Während eine Gruppe völlige Dunkelheit erlebte, wurden die beiden anderen entweder bei schwachem künstlichem Licht oder bei Licht gehalten, das dem Tageslicht entsprach. Bei beiden zuletzt genannten Gruppen zeigten die Tiere auch tagsüber eine erhöhte Risikobereitschaft.

Es wird vermutet, dass das nächtliche Licht einen Stressfaktor für die Tiere darstellt. Fische werden unter Stress generell mutiger. Auch von Menschen ist den Expertenangaben zufolge bekannt, dass es Folgen hat, wenn die Nacht zum Tag gemacht wird. So seien beispielsweise bei Feuerwehrleuten, die nachts arbeiten müssten, erhöhte Cortisolwerte gemessen worden. Cortisol ist ein Hormon, das Stoffwechselvorgänge in Gang setzt und Energiereserven mobilisiert. Weil es bei großen Herausforderungen vermehrt freigesetzt wird, also dann, wenn Stress entsteht, wird Cortisol auch als Stresshormon bezeichnet.

Zum menschlichen Tagesrhythmus gehören die Schlafphasen, in denen sich die Hirnaktivitäten, die Körpertemperatur, die Puls- und die Atemfrequenz verändern. Wenn Menschen gegen den natürlichen Rhythmus leben, also zum Beispiel häufig nachts bei künstlichem Licht arbeiten, birgt dies erhebliche gesundheitliche Risiken. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Probleme mit dem Immunsystem, der Verdauung und dem Zuckerstoffwechsel entstehen können.

Dass Licht zwar einerseits lebenswichtig ist, andererseits aber auch störend sein kann, haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren in zahlreichen Studien nachgewiesen. Manche Tiere haben sich die Dunkelheit zunutze gemacht; sie sind nachtaktiv und schaffen es dadurch, sich ungestört bewegen zu können und Konkurrenten oder Feinden aus dem Weg zu gehen. Auch unter den Insekten gibt es zahlreiche nachtaktive Arten. Wie eine Forschergruppe von der Universität Bern im Fachjournal „Nature“ erklärt hat, geht ihre Leistung als Bestäuber von Pflanzen unter dem Einfluss von künstlichem Licht deutlich zurück.

Bei Untersuchungen im vergleichsweise dunklen Gebiet der Voralpen hatten die Wissenschaftler festgestellt, dass auf nicht bewirtschafteten Flächen ohne künstliche Beleuchtung nachts fast 300 Insektenarten die Blüten von rund 60 Pflanzenarten besuchten. Um herauszufinden, welchen Einfluss künstliche Lichtquellen auf die nachtaktiven Tiere haben, stellten sie auf einigen Flächen LED-Lampen auf, wie sie auch für die öffentliche Straßenbeleuchtung verwendet werden. Das Ergebnis: Die Besuche der bestäubenden Insekten gingen im Vergleich zu den unbeleuchteten Flächen um 62 Prozent zurück.

Auch Zugvögel lassen sich erwiesenermaßen von Lichtquellen beeinflussen. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie irritiert werden und die Orientierung verlieren. Beobachtet haben Forscher dies unter anderem bei Leuchttürmen. Immer wieder ist es vorgekommen, dass Vögel in Richtung der Lichtquelle flogen und zu Tode kamen.

 

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Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Richard Braumer aus Olbernhau in Sachsen.
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