Speiseröhrenkrebs – Die Säure bändigen – ein Gesundheitsratgeber

Speiseröhrenkrebs – Inzwischen ist der Medizinwissenschaft klar, wie stark die Magensäure die Entstehung eines Tumors beeinflusst und wie sich dieses Risiko vermindern lässt.

Mit rund 7.000 Fällen pro Jahr in Deutschland zählt Speiseröhrenkrebs bislang zu den eher seltenen Tumoren. Trotzdem rückt er immer mehr in den Fokus von Experten: Er gehört zu jenen Krebsarten, deren Häufigkeit ständig zunimmt. Und momentan sehen die Überlebenschancen für Betroffene vergleichsweise schlecht aus. Therapeutische Fortschritte sind also umso wichtiger.

Ihre neuesten Erkenntnisse haben Magen- und Darmspezialisten in einer aktualisierten Leitlinie zusammengetragen. Darin beschreiben sie unter anderem sanftere Behandlungsmethoden im frühen Stadium. Ganz oben in dem Papier aber steht die Vorbeugung. Dazu muss man zunächst wissen, dass Speiseröhrenkrebs in zwei Formen auftritt. Bei der bisher häufigeren liegen die Risiken auf der Hand: Sie wird vor allem durch Rauchen und viel Alkohol begünstigt. Bei der anderen Form, die stark zunimmt, ist die Sache komplexer.

An ihrem Anfang steht Magensäure, die in Richtung Mund hochsteigt. Dieser Reflux verursacht Sodbrennen, oft auch eine Entzündung. Um sich dagegen zu schützen, baut die Speiseröhre bei manchen Menschen einen Teil ihrer Innenwand um – zu einer nach ihrem Entdecker benannten „Barrett-Speiseröhre“. Ein „Barrett“, wie Mediziner salopp sagen, hat das Potenzial, sich zu Krebs zu wandeln.

Muss nun jeder Angst haben, der gelegentlich Sodbrennen erlebt? Sollte man gleich per Endoskop die Speiseröhre spiegeln lassen? Das ist zu diesem Zeitpunkt aber überflüssig und sogar kontraproduktiv, sagen die Koordinatoren einer 2014 veröffentlichten Leitlinie zum Reflux. Überflüssig, weil Speiseröhrenkrebs sich nicht von heute auf morgen bildet. Und kontraproduktiv, weil eine akut entzündete Speiseröhre die Diagnose erschwert.

Klare Ansage: Erst einmal sollte man Patienten gegen den Reflux behandeln, vor allem um ihre Beschwerden zu mildern, so die Experten. Und zwar mit einem Mittel aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer. Diese drosseln die Produktion von Magensäure. Nur wenn sich damit das Sodbrennen dauerhaft nicht bessert, sollten Betroffene sich in den Schlund schauen lassen.

Entdeckt der Arzt nichts Verdächtiges, ist es damit getan. Man geht davon aus, dass sich schon relativ früh ein Barrett entwickelt, daher ist eine spätere Entstehung eher unwahrscheinlich, so der Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und interventionelle Endoskopie im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg. Stößt der Arzt auf ein Barrett, ist das dennoch kein Grund zur Panik. Laut einer Studie erkrankt nur einer von 300, einer anderen Untersuchung zufolge nur einer von 800 Betroffenen tatsächlich an Speiseröhrenkrebs.

Dennoch ist eine nähere Diagnostik natürlich ratsam. Ein Pathologe prüft dann, ob Gewebeproben Krebszellen oder deren unmittelbare Vorläufer enthalten. Trifft dies nicht zu, sollte man etwa alle vier Jahre eine Kontroll-Endoskopie machen lassen. Bei einem sehr kleinen Barrett ist das Risiko so gering, dass man in Absprache mit dem Patienten sogar darauf verzichten kann. Wird der Pathologe jedoch fündig, tragen Ärzte das betroffene Areal mit einer Elektroschlinge ab oder behandeln es mit hochfrequenten Radiowellen. Dabei kann es zu Komplikationen wie Blutungen oder Speiseröhren-Verengungen kommen. Dennoch ist die endoskopische Therapie weit schonender als eine Operation – wie sie in fortgeschrittenen, aber noch heilbaren Stadien nötig ist.

Für gute Lebensqualität sorgen
Nicht selten nehmen Patienten den Tumor erst wahr, wenn ihnen das Schlucken Probleme bereitet oder sie stark abnehmen. Häufig hat der Tumor in diesem Fall bereits Metastasen gebildet. Dann sollten Arzte in der Regel auf eine Operation verzichten, so der Chefarzt der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie und Onkologie am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau.

Stattdessen sollten sie sich bemühen, dass der Patient möglichst lange überlebt – bei guter Lebensqualität. Dazu kann eine Chemotherapie beitragen oder ein weitender Stent in der Speiseröhre. Ob es aber so weit kommen muss, hat jeder zumindest ein Stück weit selbst in der Hand.

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Lars Keuper aus Bochum in Nordrhein-Westfalen.
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