Die Riester-Tests von Finanztest: Alle Riester-Sparformen im Vergleich

Sicher ist: Die gesetzliche Rente allein wird später im Alter nicht ausreichen. Sicher ist auch: Riester-Verträge sind durch staatliche Zulagen, Steuer­vorteile und Garan­tien als Alters­vorsorge­produkt Spitze. Wer nicht auf Dauer wenig verdient, wird profitieren. test.de sagt, welche Riester-Sparform für wen geeignet ist.

Neu: Alters­vorsorge für Frauen

Frauen entscheiden sich oft für die Familie und arbeiten Teil­zeit. Sie müssen deshalb zusätzliche finanzielle Vorsorgepolster für das Alter anlegen. Riester- und Renten­verträge sind deshalb als Teil der Grund­vorsorge gut geeignet. Finanztest warnt: Spare­rinnen sollten ihren Vertrag aber nicht vorzeitig beenden, sonst können Sie viel Geld verlieren.

Riestern mit Fonds

Riester-Fonds­sparpläne und fonds­gebundene Riester-Renten­versicherungen bieten höhere Rendite­chancen. Sie sind gerade in Zeiten nied­riger Zinsen eine gute Möglich­keit für Anleger, sich eine rentable Alters­vorsorge aufzubauen. Allerdings ist auch das Risiko von Riester-Fonds­produkten höher als das einer klassischen Riester-Renten­versicherung. Es kann passieren, dass am Ende der Anspar­zeit lediglich die Kapital­garantie übrig bleibt, die Anbieter von Riester-Verträgen geben müssen. Verlieren können Anleger nichts.

Riester-Bausparen

Riester-Bauspar­verträge sind erste Wahl, um für ein Eigenheim zu sparen. Sie sind genauso gut wie unge­förderte Bauspar­verträge, bringen aber zusätzlich viele Tausend Euro an Zulagen und Steuer­vorteilen.

Wohn-Riester 2013: Güns­tiger und flexibler

Besitzer von Eigen­heimen können die Riester-Förderung künftig flexibler nutzen – und müssen im Alter weniger Steuern zahlen. Das sieht das „Alters­vorsorge-Verbesserungs­gesetz“ vor. Dann können Besitzer von Eigen­heimen von der Reform des sogenannten Wohn-Riester profitieren. Die Grund­sätze der Eigenheim-Förderung bleiben gleich.

Riester Bank­sparpläne

Riester-Bank­sparpläne sind attraktiv und für viele Alters­sparer eine gute Entscheidung. Zwar liegt der Start­zins vieler Riester-Banksparpläne im Moment bei weniger als 1 Prozent. Aber entscheidend für die Höhe der späteren Rente sind nicht die Zinsen von heute, sondern die künftigen Zinsen, wenn schon viel Geld im Sparplan liegt.

Riester-Rente im Test

Die Riester-Rente steht in der Kritik. Mit der staatlichen Förderung sind Riester-Verträge dennoch attraktiver als vergleich­bare Altersvorsorgepro­dukte – voraus­gesetzt der Kunde wählt das passende Riester-Produkt und den besten Tarif. Finanztest 10/2012 hat Riester-Renten­versicherungen getestet.
Fazit: Empfehlenswerte Angebote sind rar. Nur fünf von 29 Policen sind gut.

Bis zu 200 Prozent Zugabe vom Staat

Riester-Verträge sind so attraktiv, weil jeder mit einer Zulage vom Staat und Steuer­vorteilen bezu­schusst wird. Bis zu 200 Prozent gibt der Staat je nach Einkommen und Familien­situation zum Beitrag des Sparers dazu. Ein Verlustrisiko ist ausgeschlossen, weil mindestens alle einge­zahlten Beiträge und Zulagen vom Anbieter zum Renten­beginn garan­tiert werden. Für den einzelnen Sparer ist der Erfolg am Ende am größten, wenn sein Riester-Vertrag zu ihm passt und das Angebot zu den guten oder besten seiner Sparte gehört. Finanztest hat die Riester-Angebote regel­mäßig untersucht: Bank­sparpläne, Fonds­sparpläne, Renten­versiche­rungen und nun „Wohn-Riester“ als Darlehen. Die staat­lichen Zulagen für Riester-Sparer: Die Grund­zulage beträgt maximal 154 Euro pro Jahr. Pro Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht, kommt noch einmal bis zu 185 Euro hinzu. Für Kinder, die ab 1. Januar 2008 geboren sind, gibt es sogar bis zu 300 Euro vom Staat. Dazu erhalten Sparer über ihre Steuer­er­klärung Steuern auf den Beitrag zurück. Seit 2008 können sie maximal von 2.100 Euro Beitrag inklusive Zulage jähr­lich beim Finanz­amt geltend machen. Die erhaltene Zulage wird von der Steuerersparnis abge­zogen. Alle Riester-Verträge garan­tieren den Erhalt des einge­zahlten Geldes und der staatlichen Zulage zum Ende der Anspar­phase.

Tipp: Die Zulage gibt es aber nur, wenn sie der Kunde extra beantragt. Den Zulagen­antrag gibt es beim Anbieter des Riester-Vertrags. Einmal ausgefüllt, gilt er dauer­haft. Änderungen sind nur nötig, wenn ein Kind dazu­kommt oder die Eltern kein Kinder­geld mehr erhalten.

Klassische Riester-Renten­versicherung

Produkt: Staatlich geförderter Renten­versicherungs­vertrag, der bei Beitrag und Leistung nicht zwischen Männern und Frauen unterscheidet (Unisex-Tarif). Durch­gängiger Vertrag von der Anspar- bis zur Verrentungs­phase.
Vorteil: Bringt neben der Kapital­garantie, die alle Riester-Produkte bieten, eine garan­tierte Mindest­rendite von 2,25 Prozent auf den Spar­anteil. Schon bei Abschluss ist klar, welche Rente Sparer mindestens erhalten werden.
Nachteil: Die relativ hohen Abschluss­kosten. Der Sparer muss sie mit seinen Beiträgen meist in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit zahlen. Ein Ausstieg aus dem Vertrag oder eine Reduzierung der ursprüng­lich vereinbarten Beträge wird dadurch sehr teuer. Von Anbieter zu Anbieter hohe Unterschiede bei Garan­tien und Über­schuss­prognose.
Geeignet für: Vor allem für 40- bis 50-Jährige. Menschen, die sich nicht aktiv um ihre Alters­vorsorge kümmern möchten und die sich sehr sicher sind, die einmal vereinbarten Raten auch über die gesamte Lauf­zeit des Vertrages leisten zu können.

Riester-Bank­sparplan

Produkt: Staatlich geförderter und verzinster Spar­vertrag.
Vorteil: Die Anbieter stellen keine Abschluss­kosten oder Provisionen in Rechnung. Dadurch ist ein Riester-Bank­sparplan sehr sicher, flexibel und trans­parent: Selbst bei vorzeitigem Ausstieg besteht kein Verlustrisiko.
Nachteil: Mitt­lere Rendite­aussichten von rund 3 bis 6 Prozent.
Geeignet für: Vor allem für über 40- und auch noch über 50-Jährige. Auch für jüngere Kunden, die ihr Riester-Konto zwischen­durch für eine Immobilien­finanzierung beleihen wollen.

Riester-Fonds­sparpläne

Produkt: Staatlich geförderte Fonds­sparpläne. Das Geld fließt in Aktien- und Rentenfonds. Sparer profitieren von Zinsen, Dividenden und Kurs­gewinnen.
Vorteil: Bieten die höchsten Rendite­aussichten – je höher der Aktienfonds­anteil, desto besser sind sie. Möglich sind bis zu 10 Prozent pro Jahr.
Nachteil: Beim Kauf der Fonds­anteile fällt ein Ausgabe­aufschlag an, der bis zu 5 Prozent der Rate beträgt. Für das Management werden jähr­lich bis zu 1,94 Prozent der Anlagesumme abge­zogen. Zwischen­zeitliche Verluste sind möglich. Für eventuelle Verluste bei einem Produkt­wechsel während der Anspar­phase gibt es keinen Ausgleich.
Geeignet für: Vor allem jüngere Kunden bis ungefähr Mitte 40. Sie können sich die hohen Rendite­chancen der Aktienfonds zunutze machen.

Fonds­gebundene Riester-Renten­versicherung

Produkt: Staatlich geförderte fonds­gebundene Renten­versicherung von Gesell­schaften mit deutschem Insolvenz­schutz. Für das Geld der Sparer stehen bis zu drei verschiedene Anla­gebau­steine zur Verfügung, die auf unterschiedliche Art miteinander kombiniert werden können. Das Angebot umfasst Fonds zur freien Auswahl (ohne Garan­tiefonds), vom Anbieter vorgegebene Fonds und dazu bei fast allen Versicherungs­produkten das konventionelle Deckungs­kapital.
Vorteil: Bieten hohe Rendite­aussichten – je höher der Aktienfonds­anteil, desto höher sind sie.
Nachteil: Die Kosten sind bei Versicherungs­unternehmen sehr hoch. So verlangt die Alte Leipziger 14,21 Prozent von jedem plan­mäßig einge­henden Beitrag. Andere liegen mit knapp 12 Prozent nur wenig darunter.
Geeignet für: Vor allem jüngere Kunden bis Anfang 40. Älteren Kunden kann es passieren, dass die Umsetzung der gesetzlichen Garantie die Rendite­chancen verdirbt. Eine Alternative mit hoher Sicherheit, aber geringeren Rendite­chancen sind Riester-Bank­sparpläne.

Wohn-Riester

Produkt: Wohn-Riester gibt es als Angebote der Bausparkassen und als Riester-Darlehen von Banken. Im aktuellen Test schneiden die Wohn-Riester-Kredite der Bausparkassen besser ab.
Vorteil: Zur Finanzierung einer Immobilie ist die Riester-Förderung ideal. Aus jedem Riester-Vertrag ist das Entnehmen von Kapital für ein Eigenheim oder eine Wohnung möglich. Beim Bauspar­vertrag profitieren Immobilienkäufer von nied­rigen Zinsen. Wird der Bausparvertrag zugeteilt, haben Immobilien­besitzer Anspruch auf ein güns­tiges Bauspardarlehen.
Nachteil: Die Kombination aus Bauspar­vertrag und tilgungs­freiem Darlehen kann anfangs gering­fügig ins Minus rutschen.
Geeignet für: Riester-Bausparen für alle, die für sich selbst später eine Immobilien kaufen wollen. Riester-Darlehen für Sparer, die jetzt eine Immobilie kaufen wollen, die sie selbst nutzen werden.

Auszahlung und Abrechnung

Riester-Rentner müssen Steuern zahlen. Auch auf Wohn-Riester-Verträge besteht Steuer­pflicht im Ruhe­stand. Krankenkassen- und Pflege­versicherungs­beiträge müssen Riester-Rentner nur in seltenen Fällen zahlen.

Riester in der Kritik

Viele sehen die Riester-Rente kritisch. Die Vorwürfe: Sie ist zu bürokratisch und lohnt sich nicht. Kunden müssten stein­alt werden, damit sie mit Riester ins Plus kommen.

Wenn die Zulage einge­zogen wird

Bereits ausgezahlte staatliche Zulagen hat die zuständige Stelle etlichen Riester-Sparern für die Jahre der Eltern­zeit wieder abge­knöpft.

Versicherungs­vermittler beraten im eigenen Interesse

Bank­berater und Versicherungs­vermittler empfehlen ihren Kunden häufig nicht den optimalen Riester-Vertrag. Denn Berater sind Verkäufer. Sie wollen den Sparer oft von dem Riester-Produkt über­zeugen, an dem sie am meisten verdienen können. Das geht zu Lasten des Kunden. Sie zahlen etwa hohe Abschluss­kosten für fonds­gebundene Renten­versicherungen. Die Vermittler fahren so hohe Provisionen ein. Riester-Bank­spar­verträge sind dagegen für den Verkäufer wenig profitabel.

Einfach Riestern ohne Job

Zum Riestern braucht es keinen Job. Auch Hausfrauen und -männer können in einen Riester-Vertrag einzahlen. Für sie gelten aber neue Regeln. Sie können nicht mehr wie bisher nur die staatlichen Zulagen ansparen, sondern müssen einen Eigenbeitrag für die staatliche geförderte Alters­vorsorge leisten. Auch Erziehende, Pflegende, Arbeits­lose und Erwerbs­unfähige können von der Riester-Förderung profitieren.

10 Jahre Riester-Rente – eine Bilanz

Die Riester-Rente wurde 2018 15 Jahre alt. Fast 15 Millionen Menschen haben haben für die Riester-Rente bisher insgesamt 37 Milliarden Euro angespart.

Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer besser

Aus den Jahres­mitteilungen sollen Riester-Sparer erfahren, ob alle Beträge in ihrem Vertrag richtig gebucht sind. Lange Zeit war das kaum möglich: Die Mitteilungen waren oft unver­ständlich. Der Test zeigt: Die Informationen sind jetzt aussagekräftiger. Anleger erfahren, wie sie wichtige Informationen in den Mitteilungen ausfindig machen.

Streubomben in Riester-Verträgen

Riester-Sparer müssen damit rechnen, dass ihr Geld auch bei Waffen­schmieden angelegt ist, die Streubomben produzieren. Diese Waffen sind interna­tional geächtet und in Deutsch­land verboten. Finanztest hat 174 Banken, Versicherungen, Bausparkassen und Fonds­gesell­schaften, die Riester-Alters­verträge anbieten, befragt. Nur bei zwölf Finanz­instituten sind Streubomben­investments ausdrück­lich verboten: Und zwar bei den Fonds­gesell­schaften Union Investment und DWS, dem Versicherungs­konzern Generali mit ihren Töchtern AachenMünchener und CosmosDirekt, bei der Axa, der Debeka, oecocapital und Zurich, bei der Raiff­eisen­bank Rastede sowie bei der Ethik­bank und der Bank für Kirche und Caritas. Allianz Global Investors (AGI) hat für den europäischen Teil des Konzerns nach der Veröffent­lichung in Finanztest 1/2011 erklärt, kein Geld mehr in Hersteller von Streumunition zu investieren. In einer Umfrage auf test.de haben sich rund drei Viertel der Befragten dafür ausgesprochen, dass ihr Anbieter die entsprechenden Papiere sofort verkaufen sollte – selbst wenn ihnen dadurch Gewinne entgingen.

 

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Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Bernhard Kirscher aus Hagenbach in Rheinland-Pfalz.
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