Bewegung – Rauf aufs Pferd – ein Freizeit-Ratgeber

Reiten lernt man nur beim Reiten. Ist doch klar, wir so manchen meinen. Doch auf dem Weg zu diesem Hobby tauchen viele Fragen auf. Lesen Sie hier einige Antworten…

Wie finden die, die aufs Pferd steigen wollen, das passende Angebot? Was für eine Ausrüstung benötigen sie? Wie hoch sind die Kosten und wie viel Zeit beansprucht der Umgang mit dem Pferd? Das müssen Interessierte wissen.

Ausrüstung
Das wichtigste Kleidungsstück beim Reiten ist der idealerweise DIN-genormte Helm mit Drei- oder Vierpunktbefestigung und flexiblem Schirm an der Vorderseite. Damit sitzt er optimal und schützt bei Stürzen vor Verletzungen am Kopf, so der Leiter der Abteilung „Breitensport, Vereine, Betriebe“ bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Bei Gebrauchtware ist Unfallfreiheit ein Muss. Hat ein Reiterhelm einen Sturz hinter sich, können unsichtbare innere Schäden die Sicherheit stark gefährden. Sinnvoll kann auch eine den Rumpf schützende Reitweste sein. Für einen rutschfreien Zügel-Griff bieten sich Reithandschuhe an. Reithosen dagegen sind, gerade für Anfänger, nicht notwendig. Eine alte, elastische, eng sitzende Hose ohne innenliegende Nähte und Applikationen reicht auch erst einmal aus. Sie sollte die Haut beim Reiten aber nicht wundscheuern, sonst ist es gerade beim Anfänger mit der Freude am Reiten sehr schnell vorbei.

Auch bei Reitstiefeln gilt: Wer sich erst einmal einfinden möchte, trägt gängige Stiefeletten oder Stiefel mit durchgehender Sohle und kleinem Absatz, der gut im Steigbügel hält. Zaumzeug, Sattel und Trense stellt für gewöhnlich erst einmal der Reitstall zur Verfügung.

Wer sein Hobby intensivieren will, über eine Reitbeteiligung oder sogar ein eigenes Pferd nachdenkt, wird sich eine eigene Garnitur zulegen wollen. Dabei ist neben der individuellen Handhabung im Zusammenspiel mit dem Pferd der Rat von Reitlehrern und Fachhändlern wichtig.

Langsam loslegen
Üblicherweise lernen Interessenten das Reiten zunächst im Einzelunterricht an der Longe: Der Trainer führt dabei das Schulpferd, auf dem mehrere Anfänger lernen, langsam an einer langen Leine im Kreis. Im Anschluss folgt nach Belieben entweder Gruppenunterricht, erst mit Anfängern, später mit Fortgeschrittenen, oder dauerhafter Einzelunterricht. Die Intervalle dauern von 15 bis zu etwa 60 Minuten. Empfehlenswert ist mindestens eine Reitstunde pro Woche, um Erfolge zu erzielen und im Training zu bleiben. Der Reitlehrer sollte ein Pferd passend zur Körpergröße des Anfängers aussuchen. Zu Beginn können die Reitstunden körperlich anstrengend sein, da unter anderem der Rücken gestreckt bleiben muss. Über Schenkeldruck, Gewichtsverlagerung und Zügelzug wird gelenkt.

Kosten und Anlaufstellen
Neue wie gebrauchte Ausrüstung ist in Reitsportfachgeschäften, oft im Umfeld der Reitschule, und online erhältlich. Anfänger sollten sich aber auf jeden Fall fachmännisch beraten lassen. Oft lohnt sich ein Blick auf schwarze Bretter in Reitschulen, auf Höfen und in Foren. Die Preise für Artikel wie Trense, Zaumzeug und Sattel schwanken stark, und allein ein Helm kann zwischen 60 und 600 Euro kosten.

Auch beim Pferdekauf ist der Preis kaum zu beziffern. Mit Blick auf den Erwerb eines eigenen Pferdes gibt es jedoch eine Faustregel. Man sollte erst reiten lernen. Am besten reitet man ein bis zwei Jahre regelmäßig zu jeder Jahreszeit. Eine Gruppenreitstunde kostet regional unterschiedlich viel, meist aber zwischen zehn und 16 Euro.

Wichtig: Wenn noch nicht geschehen, sollten sich Reiter privat unfallversichern. Die Kosten dafür sind abhängig vom Versicherer. Auch der finanzielle Aufwand für den Unterhalt schwankt stark, unter anderem je nach Reiterfreundlichkeit der Region.

Pensionspferdehaltung inklusive Futter und Misten kann monatlich zwischen 250 Euro und dem Dreifachen kosten. Auch die jährlichen medizinischen Kosten, etwa für Wurmkur und Impfungen, sind schnell dreistellig. Hinzu kommen alle sechs bis acht Wochen mindestens rund 50 Euro für den Hufschmied.

Stark im Trend liegen Reitbeteiligungen – aus Geld- und Zeitgründen. Dabei teilen sich mehrere Personen, meist über Empfehlungen aus einem entsprechenden Verein, Hof oder über einen Reitlehrer, ein Pferd inklusive Handling und aller Kosten.

Zeitaufwand
Pferde brauchen täglich Bewegung und Muskelarbeit. Wenn das Tier nach getaner Arbeit den Kopf lang nach unten streckt und zufrieden schnaubt, ist es angenehm ausgepowert. Putzen und Striegeln vor jedem Ausritt benötigen mindestens 30 bis 45 Minuten, ebenso wie das tägliche Ausmisten.

Wie das funktioniert, erklärt Reitanfängern fachlich qualifiziertes Personal aus dem jeweiligen Stall. Raufutter sollte übrigens permanent verfügbar sein und Kraftfutter muss streng dosiert werden.

Checkliste für Anfänger
Garant für eine erfolgreiche, unfallfreie Zeit mit dem Pferd ist eine gründliche Ausbildung durch qualifiziertes Personal in einem entsprechenden Ambiente. Wichtig sind darüber hinaus auch folgende Fragen:

  • Sind Ställe und alle weiteren Einrichtungen auf dem Hof sauber und gepflegt?
  • Haben die Tiere Platz im Stall und draußen, z. B. auf einer Weide, und sind frisches Wasser und Futter vorhanden?
  • Haben die Boxen Fenster oder sogar Paddocks (Auslauf in der Box)?
  • Wirken die Tiere ausgeglichen und gesund? Sind sie agil und fit? Glänzt ihr Fell?
  • Hat der Reitlehrer (kein geschützter Begriff) eine Trainerlizenz (C, B, A) oder ist er qualifizierter Pferdewirt oder Turnierreiter?
  • Besteht die Möglichkeit, für einen ersten Eindruck bei Reitstunden zuzuschauen?
  • Dürfen Angehörige bei den Schnupperstunden dabei sein?
  • Besteht die Möglichkeit, sich erst einmal ein Bild von den Vorgängen auf dem Hof zu machen?
  • Geht der Trainer auf seine Schüler ein? Ist er hilfsbereit und beantwortet er alle Fragen?
  • Erklärt der Trainer alles zu Pferd und Reitvoraussetzungen, bevor er Anfänger aufsitzen lässt?
  • Verfügt die Einrichtung über das Siegel „FN-Ausbildungsstall“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)?

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Nils Scrober aus Ortrand in Brandenburg.
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