Bauchschlagader – Die unbemerkte Gefahr bei Männern ab 65 – ein Gesundheitsratgeber

Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle – der Erfinder der Relativitätstheorie, der Literatur-Nobelpreisträger und der frühere französische Staatspräsident haben – bis auf ihre Prominenz – eine weitere Gemeinsamkeit. Alle drei starben nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie an den Folgen einer geplatzten Erweiterung der Bauchschlagader.

Einstein und seinen berühmten Zeitgenossen konnte die Medizin nicht mehr helfen. Das sieht heute besser aus. Wird eine Erweiterung frühzeitig erkannt, kann in den meisten Fällen die Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas und damit eine lebensgefährliche Blutung verhindert werden. Seit 2018 gibt es eine neue Untersuchung zur Früherkennung.

Wer hat Anspruch auf diese Vorsorgeuntersuchung?
Gesetzlich versicherte Männer ab einem Alter von 65 Jahren haben einmalig Anspruch auf die Vorsorgeuntersuchung. Die Untersuchung ist nicht verpflichtend; sie ist nur ein Angebot, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür. Der Grund für diese Zielgruppe ist, dass Männer ab diesem Alter ein sechsmal höheres Risiko als Frauen für entsprechende Veränderungen an der Hauptschlagader haben. Aufgrund der Lebensweise sind sie häufiger von Gefäßerkrankungen betroffen. Risikofaktoren sind vor allem Rauchen, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte.

Wie läuft die Untersuchung ab?
Zu dem Screening gehört auch eine Beratung, bei der über Ablauf, Bedeutung der Ergebnisse sowie Vor- und Nachteile der Untersuchung vom Arzt informiert wird. Bei den Versicherten, die sich für die Untersuchung entscheiden, wird die Bauchschlagader an der Stelle mit dem größten Durchmesser unterhalb des Abgangs der Nierengefäße per Ultraschall vermessen. Die Untersuchung kann auch der Hausarzt durchführen.

Wann handelt es sich um ein Aneurysma?
Die Bauchschlagader ist das größte Blutgefäß in der Bauchhöhle. Dehnt sie sich an einer Stelle deutlich aus, spricht man bei dieser Erweiterung oder Ausbuchtung von einem Bauchaortenaneurysma. Das Gefährliche ist, Aneurysmen verursachen in der Regel keine Beschwerden und bleiben deshalb unbemerkt. Normalerweise hat die Bauchschlagader einen Durchmesser von 25 bis 30 Millimeter. Ab einem Durchmesser von drei Zentimetern spricht man nach der Definition von einem Aneurysma. Das heißt aber nicht, dass man bei drei Zentimetern sofort operiert.

Was bedeuten die Ergebnisse konkret?
Bei einem Durchmesser zwischen drei und 4,5 Zentimetern empfehlen Fachleute, die Bauchschlagader zunächst regelmäßig per Ultraschall zu kontrollieren. Ab einem Durchmesser von vier Zentimetern wird empfohlen, dass der Patient in einer gefäßchirurgischen Klinik vorgestellt wird. Bei einem Durchmesser ab 5,5 Zentimetern oder wenn das Aneurysma um einen Zentimeter im Jahr wächst, steigt die Gefahr eines Risses. Dann wird meist ein operativer Eingriff empfohlen.

Wie wird behandelt?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Das Aneurysma kann in einem offenen Eingriff entfernt und der entsprechende Gefäßabschnitt durch eine künstliche Prothese aus Kunststoff ersetzt werden. Das ist eine große Bauch-OP, weil ein Bauchschnitt erforderlich ist. Die zweite Option ist ein minimal-invasiver Eingriff (Schlüsselloch-Chirurgie), für den ein kleiner Schnitt in der Leiste erforderlich ist. Über diesen Schnitt wird mit einem Katheter ein Röhrchen in das Aneurysma eingebracht, sodass es nicht mehr reißen kann. Aneurysma und Gefäße müssen dafür aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es ist also immer eine individuelle Entscheidung, wie behandelt wird.

Gibt es Risiken bei den operativen Eingriffen?
Beide Eingriffe können Leben retten, sie können aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen führen; etwa zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Lungenentzündung, informiert der Gemeinsame Bundesausschuss in einem Patientenblatt. Deshalb müsse bei jedem Patienten sorgfältig abgewogen werden, ob die Gefahr, die von einem Aneurysma ausgeht, einen operativen Eingriff rechtfertigt Die Entscheidung dafür oder dagegen hängt auch von dem Gesundheitszustand eines Patienten ab und davon, wie die Vor- und Nachteile eines Eingriffs selbst eingeschätzt würden.

Welche Vorteile hat das Screening?
Vor allem bei großen Aneurysmen besteht die Gefahr, dass sie plötzlich reißen. Das kann tödlich sein. Mit der Untersuchung dieser Risikogruppe von Männern sollen solche Aneurysmen frühzeitig entdeckt und je nach Größe vorbeugend operiert werden. Nach Angaben des Gemeinsamen Bundesausschusses zeigen Studien, dass von 1.000 Männern, die an dem Screening teilnehmen, im Schnitt drei vorzeitige Todesfälle durch den Riss eines Bauchaortenaneurysmas verhindert werden können.

Hat die Untersuchung auch Nachteile?
Etwa 20 Männer von 1.000 Untersuchten erfahren laut Statistik von ihrem Bauchaortenaneurysma, bei zehn von ihnen hätte die Erweiterung aber nie zu Problemen geführt. Gerade bei kleineren Aneurysmen könne dies der Fall sein. „Wenn ein Mann weiß, dass er ein Aneurysma hat, kann das psychisch sehr belastend sein“ heißt es im Patientenblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses. Andere Männer seien trotzdem froh, um das Risiko durch das Aneurysma zu wissen. Deshalb sollte eine Entscheidung für oder gegen die Vorsorgeuntersuchung sorgfältig besprochen und abgewogen werden.

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Heinz Püschelt aus Trostberg in Bayern.
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