Uhrwerke richtig ölen – ein Ratgeber

Beim Ölen von Uhrwerken gibt es eine Reihe von Dingen zu beachten, die wir im Folgenden für Sie zusammengestellt haben. Mechanische Uhrwerke werden vom Hersteller so geölt, dass sie unter normalen Bedingungen in den folgenden ca. 6 bis 7 Jahren keiner Wartung bedürfen.

Öl vermischt mit Staub verhindert die einwandfreie Kraftübertragung
Hängt eine Uhr jedoch in extremer Wärme, kann sich das Öl – je nach Qualität – früher verflüchtigen, dick werden oder auch verharzen. Die Folge sind Reibungsverluste in den Lagerstellen und ein schwergängiges Räderwerk, das schließlich versagt. Äußerst nachteilig wirkt sich auch Staub aus, der sich mit dem Öl vermischt. Er erzeugt eine schwarze Schmiere in den Lagern, die zu einer Schleifwirkung führen kann. Ausgelaufene Lager und raue Wellen zapfen sind die Folgeschäden. Eine einwandfreie Kraftübertragung ist dann nicht mehr gewährleistet.

Lieber weniger als zu viel ölen
Intakte, saubere Lager lassen sich nachölen. Aber auch hier können Probleme auftreten, z.B., wenn sich die Öle nicht miteinander vertragen. Zum Ölen verwendet man heute übrigens meist nicht mehr Knochenöl, sondern synthetische Öle, da sie universell einsetzbar und alterungsbeständiger sind.

Beim Nachölen oder beim Ölen nach einer Reinigung des Uhrwerks gilt der Grundsatz: ‚Lieber etwas weniger als zu viel‘. Dabei werden grundsätzlich nur die Zapfen der Räder in der vorderen und hinteren Werkplatine geölt, wozu das Uhrwerk aus dem Gehäuse genommen bzw. vom Zifferblatt abmontiert werden muss.

Ölen nur, wo Reibung entsteht
Geölt werden darf prinzipiell nur dort, wo Reibung entsteht, also zunächst in den Platinenlagern. Das Öl muss punktgenau und präzise mit einem Ölgeber dosiert an die Schmierstelle gebracht werden. In der Regel haben die Platinenlager an der Außenseite Senkungen zur Aufnahme einer geringen Ölmenge. Zuviel Schmierstoff ist schädlicher als zu wenig, denn sobald ein Tropfen von der Ölstelle wegläuft, zieht er weiteres Öl nach. Ein ‚überöltes‘ Lager läuft schneller trocken.

Vergisst man dagegen eine Stelle zu ölen, ist erhöhter Verschleiß die Folge – oder aber das Uhrwerk funktioniert gar nicht.

Die Zähne der Räder dürfen nicht geölt werden, denn Öl zieht dort verstärkt Staub an, so dass die Verzahnung bald klemmen würde.

Eine Ausnahme bildet das Gangrad, auch Steigrad genannt, in das der Anker eingreift. Die Ankerklauen bzw. die Zahnspitzen des Steigrads mit etwas Öl oder Uhrenfett versehen. Dies bewirkt gleichzeitig eine Dämpfung des ‚Tick‘-Geräusches. Auch die Zugfedern benötigen eine Ölschmierung.

Etwas Öl oder Fett sollte auch die Ankergabel bekommen, um die Reibung an der dort geführten Pendelverlängerung bzw. am Pendelstab zu verhindern (bewirkt ebenfalls eine Dämpfung des Ganggeräusches).

Bei Schwarzwalduhren auch die Reibungspunkte an der Pendelaufhängung, der sogenannten ‚Schaukel‘, ölen.

Wichtig: Quarzuhrwerke brauchen kein Öl. Jeder Versuch sie zu ölen ist schädlich.

Bei verschmutzten Lagern zuerst das Uhrwerk reinigen
Das Nachölen älterer, mechanischer Uhrwerke ist – wie erwähnt – nur dann sinnvoll, wenn alle Lagerstellen sauber erscheinen. Wenn die Lager jedoch Schmutzansammlungen aufweisen, ist es unumgänglich, zuerst das Werk zu reinigen. Dabei bitte zuvor prüfen, ob alle Lagerstellen noch in einwandfreiem nicht eirund ausgelaufenem Zustand sind. Im letzteren Fall müssen die technischen Voraussetzungen vorhanden sein, verschlissene Lager auszubuchsen, d.h., in die Platinen neue Messinglager einzusetzen. Bei geringen Schäden können die zu großen Zapfenlöcher behelfsmäßig auch durch Beitreiben von Material mit einer speziell geformten Punze verkleinert werden (wird nur bei einfachen Werken gemacht, ist bei guten Werken verpönt). Hier ist evtl. die Hilfe eines Fachmanns erforderlich.

Wenn die allgemeine Verschmutzung eines Uhrwerks nicht allzu groß ist und die Lager noch einigermaßen in Ordnung sind, kann man mit einem Feinreiniger aus der Sprühdose eine wirksame Kurzreinigung vornehmen.

Dabei sollte mit dem Sprühmittel nicht gespart werden. Bitte unbedingt darauf achten, dass das Mittel nicht in die Federhäuser läuft. Der Feinreiniger trocknet von selbst. Schmutzreste auf den Platinen sollten abgewischt werden.

Nach der Behandlung mit Feinreiniger, das Uhrwerk – wie zu Anfang beschrieben – am besten mit synthetischem Öl ölen. Bei zu starker Verschmutzung eines Uhrwerks bleibt nur eine Generalreinigung. Dazu aber muss das Uhrwerk auseinander genommen werden.

 

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Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Josef Hingsten aus Gerolstein in Rheinland-Pfalz (RP).
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