Moderne Pedalritter – Impertinenz pur

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Fahren tun sie, als ob sie alleine auf der Welt wären. Natürlich fühlen sie sich auch als die Helden, die die Umwelt nicht belasten. Dass sich die rabiaten und mitunter auch arroganten Radler dabei ganz gewaltig irren, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.

Die Ritter sind los. Auf ihren Rössern aus Stahl, Aluminium, Carbon oder Titan treten sie an, um gnadenlos Wege und Straßen zu erobern. Gemeint sind die Pedalritter, genauer, die impertinenten Exemplare, von denen es leider immer mehr gibt.

Man nennt sie auch Ritter der Neuzeit. Bei ihnen ersetzen Tempo und Klingel die Lanze. Bremsen und Absteigen kommt ihnen einer Kapitulation gleich. Und zähmen lassen sie sich schon gar nicht und wenn die ihnen angebotenen eigenen Wege noch so schön sind. Nein, ihr Credo lautet ausschließlich: „Uns gehört die Welt!“

Sie drängeln sich in Fußgängerzonen rabiat an den „störenden“ Fußgängern vorbei und schießen sich akustisch mit Dauergeklingel Gehwege frei. Der Gehweg ist für sie mit dem Blick auf die zweibeinigen Hindernisse schlicht ein Imperativ: „Gehe gefälligst weg!“

Autofahrer sind grundsätzlich Feinde dieser Hardcore-Pedaleure und werden denn auch von ihnen überhaupt nicht beachtet. Hin und wieder geht das zwar gehörig schief, doch wen stört es, das macht bei den Überlebenden dieser Spezies keinen Eindruck. Die halten sich nur an das Motto “Wer später bremst, ist länger schnell”. Und mitunter helfen ihnen auch Tritte gegen die vierrädrigen Blechkarossen oder massive Faustschläge auf deren Dächer.

In Einbahnstraßen, in denen Fahrradfahrer gemäß entsprechender Beschilderung in Gegenrichtung fahren dürfen, müssen Autofahrer besonders aufpassen. Besonders dreiste Fahrradfahrer fahren gerne mitten auf der Fahrbahn. Und wehe der in regulärer Fahrtrichtung entgegenkommende Autofahrer weicht nicht sofort fluchtartig in die nächste Parklücke aus – egal, ob es die üblicherweise gar nicht gibt – man hat sein Auto eben einfach wegzuzaubern, ansonsten riskiert man schon mal Dellen und Kratzer. Die modernen Pedalritter haben ja keine Kennzeichen und sind schnell weg.

Diese Hardcore-Radler sehen sich „überall und immer“ im Recht: In ihren behelmten Häuptern hat sich offenbar ein ganz klares Weltbild festgesetzt: Ausschließlich sie sind die Guten, und nur sie, weil ihre Art und Weise der Fortbewegung ja die Umwelt nicht belastet (welch ein Hohn!) – und überhaupt – weil Fahrradfahrer eben einfach die Helden des 21. Jahrhunderts sind. Schließlich will man in vielen Städten nur für sie neue Brücken bauen, aber nicht für die Autofahrer, die solche Bauwerke aber vielerorts viel dringender bräuchten.

Ja, deshalb hat auch nie der Radfahrer irgendeine Schuld, wenn er nachts Autofahrern oder Fußgängern gefährlich nahe kommt. Man könnte dann oftmals den Pedaleur auch auf die fehlende Beleuchtung seines Vehikels hinweisen, in der Hoffnung, dass das wenigstens eine minimale Chance auf Erleuchtung des schwarzen Ritters hat. Doch auch das ist völlig sinnlos! „Lichtlos durch die Nacht, und es hat doch nicht gekracht” werden diese Kamikaze-Radler im Geiste singen.

Dass Fahrradampeln ebenso sinnlos sind, weil rotes Licht bei diesen Gesellen wie das rote Tuch des Toreros auf Stiere wirkt, sei nur am Rande erwähnt.

Eine ganz besondere Form der heutigen Inkarnationen mittelalterlicher Kämpfer sind die Rennradfahrer. Besonders nervig sind die – in ihrer hautengen und oft bunten Kleidung zumindest lustig anzusehenden – menschlichen Geschosse dort, wo man entspannt spazieren gehen möchte. Da kommen sie von hinten oder vorne angerauscht und man weiß genau: Die weichen nicht aus! Die bremsen auch nicht ab! Okay, so nach vorne gebeugt, können sie natürlich auch nur den nächsten Meter Asphalt vor sich sehen.

Wie heißt es doch so schön? Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Zumindest ab und zu könnte die Zielgruppe dieser Zeilen mal absteigen vom hohen Ross – praktisch und sprichwörtlich.

 

Ein Beitrag unserer/s Leserin/s Rüdiger Basch aus Rhauderfehn in Niedersachsen.
Ende des Beitrags 1-2017-159-0753

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